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Elektro-Mobilität
Handwerk sucht neue Geschäftsfelder

Ulm - Elektro-Mobilität zum Anfassen – viele der interessierten Besucherinnen und Besucher nutzten am 15.7. beim Informationsabend der Handwerkskammer Ulm das vielfältige Ausstellungsangebot, um Elektroroller, Elektromobile, Elektromotorräder, Hybrid-Autos und vieles mehr zum Thema Elektro-Mobilität kennen zu lernen. Die Mischung aus Vorträgen, Ausstellung und Probefahrt sorgten für einen abwechslungsreichen und informativen Abend.

Dem Handwerk, darauf wies der neue Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie Baden Württemberg e-mobil BW-GmbH, Franz Loogen gestern hin, komme bei der weiteren Entwicklung der Elektromobilität eine zentrale Bedeutung zu. Dies gelte für die Fahrzeugtechnik ebenso wie für die gesamte Infrastruktur. Als Beispiel nannte er, dass es der Gesellschaft gar nichts bringe, wenn Daimler das Elektroauto baue und es kein Handwerker warten könne. Innovation komme eben nur mit dem Handwerk beim Verbraucher an. Die modernen Handwerksbetriebe sind High-Tech-Betriebe, die sich auf alle Veränderungen umgehend einstellen müssen.

Für die Einführung des Elektroantriebs neben dem Verbrennungsmotor, betonte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm Dr. Tobias Mehlich, bedürfe es einer parallelen Ausrichtung von industriellen Herstellern und dem Kraftfahrzeug- und Elektrohandwerk. Fahrzeuge mit unterschiedlicher Antriebstechnik müssen auch in Zukunft verbraucherorientiert aus einer Hand angeboten werden. Mehlich: „Alles andere würde die Marktdurchdringung behindern." Natürlich stelle sich neben der Vertriebsfrage auch die Qualifikationsfrage. Wasserstoff- und Elektroantriebe stellen neue technologische Herausforderungen an die Mitarbeiter in den Betrieben. Hierauf muss das Handwerk frühzeitig reagieren und die Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm werde hierzu entsprechende Bildungsangebote anbieten, um die Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten beim Technologiewandel zu unterstützen, kündigte Mehlich an.

Prof. Dr. Achim Bubenzer, Rektor der Hochschule Ulm (Mitte) nutzte zusammen mit dem Geschäftsführer der e-mobil BW-GmbH Franz Loogen (links) und dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm Dr. Tobias Mehlich (rechts) beim E-Mobilitäts-Informationsabend die Gelegenheit, unter anderem eines der E-Fahrräder auszuprobieren. (Foto: Handwerkskammer Ulm)

Im Bereich der Infrastruktur sei vor allen Dingen das Elektro- und Informationstechnische Handwerk betroffen, erklärte der Vizepräsident der Handwerkskammer Ulm Thomas Rüdiger. Bei aktuellen Modellprojekten stehe bisher die Versorgung der Elektromobile über stationäre Stromtankstellen im öffentlichen Raum im Vordergrund. Künftig werde das Tanken dezentral im privaten Haushalt stattfinden. Der Aufbau von Ladestationen für hohe Ladeleistungen bei der Gebäudeinstallation erfordere eine enge Zusammenarbeit eines Elektrofachbetriebs mit dem Energieversorger. Auch die Kundenbetreuung bei Wartungen und Überprüfungen der Anlagen sei traditionelles Betätigungsfeld des E-Handwerks. Langfristig weite sich bei der massenmäßigen Umsetzung der Elektromobilität der Kreis der betroffenen Handwerke deutlich über die bereits genannten auf alle Handwerke rund ums Bauen aus, betonte Rüdiger weiter.
Prof. Dr. rer. nat. Achim Bubenzer, Rektor der Hochschule Ulm machte deutlich, dass viele Umstellungen und neue Partnerschaften für den Übergang zur E-Mobilität notwendig sein werden. „Ich bin sicher, dass eins dafür unverzichtbar sein wird: die gute, strategische Kooperation zwischen dem Handwerk, den Handwerkskammern und den Fachhochschulen.“ Die Hochschule Ulm stehe auf jeden Fall bereit, versicherte er.

Prof. Dr. rer. nat. Werner Tillmetz (Foto oben), Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (WBZU) vom Ulmer Eselsberg, hielt bei der Veranstaltung den Fachvortrag zum Thema „Brennstoffzellen und Batterien – Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität“ und prognostizierte: „Spätestens mit dem Desaster im Golf von Mexiko sollte jeder verstanden haben, dass das Zeitalter des billigen Erdöls rasant zu Ende geht. Damit wird sich auch sehr schnell die Antriebstechnologie unserer Autos verändern. Die Elektrifizierung des An-triebes wird schnell voranschreiten und damit auch großen Einfluss auf alle beteiligten Berufsgruppen haben.“
Landtagsabgeordneter Martin Rivoir testet bei der Elektro-Mobilitätsveranstaltung der Handwerkskammer Ulm ein Elektrofahrrad.
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