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10. Februar 2019

6 Stolpersteine bei einer Betriebsübergabe

Mit diesem Beitrag wollen wir Betriebsinhaber auf Stolpersteine bei Betriebsnachfolgen hinweisen.  Stolpersteine, die in der Praxis dazu führen können, dass Betriebsübergaben nicht erfolgreich verlaufen. Wenn Sie folgende 6 Punkte vermeiden, steigt Ihre Chance, dass Ihre Betriebsübergabe gelingt.

 

Stolperstein Nummer 1: Zu wenig Zeit einplanen.

Bis zu einer Unterschrift des Nachfolgers auf einem Übergabevertrag ist es ein weiter Weg: Ein Nachfolger muss zu allererst überhaupt einmal gefunden werden. Der Betrieb muss eventuell für eine Übergabe optimiert werden. Der Betrieb muss bewertet werden. Ein Kaufpreis zwischen Übergeber und Übernehmer muss ausgehandelt werden. Der Nachfolger muss die Finanzierung des Kaufpreises mit seiner Bank klären. Die Mitarbeiter müssen rechtzeitig einbezogen werden, damit Sie sich nicht wegen zu großer Ungewissheit einen anderen Arbeitgeber suchen. Die Kunden müssen informiert werden. Es sind steuerliche und rechtliche Details zu beachten und vieles mehr.
Inhaber sollten daher mindestens fünf Jahre für eine Betriebsübergabe einplanen.

 

Stolperstein Nummer 2: Betrieb vor der Übergabe verkleinern.

Im Kammergebiet der Handwerkskammer Ulm stehen in den kommenden Jahren altersbedingt ca. 2.700 Betriebe zur Übergabe an. Die Zahl der potentiellen Nachfolger reicht jedoch nur für ca. Dreiviertel von diesen Betrieben. Für geeignete Nachfolger bedeutet das, dass Sie in der komfortablen Situation sind, aus mehreren Betrieben die zur Übergabe anstehen einen Betrieb aussuchen zu können. Inhaber, die ihren Betrieb in den Jahren vor einer Übergabe verkleinern, indem Sie beispielsweise die Zahl ihrer Mitarbeiter verringern, weniger Aufträge bearbeiten und Umsatz und Gewinn rückläufig sind, haben in diesem Umfeld eher das Nachsehen. Ein Nachfolger interessiert sich ja gerade deshalb für eine Übernahme, damit er nicht wie bei einer Neugründung erst noch nach Mitarbeitern und Kunden suchen muss. Ein Nachfolger, der die Wahl zwischen mehreren Betrieben hat, wird sich in aller Regel für den Betrieb entscheiden, in dem er bereits ein motiviertes Mitarbeiterteam aus Auszubildenden, Gesellen und eventuell sogar Meistern vorfindet. Sie sollten daher neben der Auftragslage und der Betriebsausstattung ganz besonders darauf achten, dass die Personalstruktur Ihres Betriebes ausgeglichen ist.

 

Stolperstein Nummer 3: Nicht aktiv nach einem Nachfolger Ausschau halten.

Eine Fachkraft hat ganz besonders heute die Wahl zwischen attraktiven Stellenangeboten und den Chancen, aber auch den Herausforderungen einer Selbständigkeit. Das wirkt sich auf die Zahl potentieller Nachfolger dahingehend aus, dass nicht alle Betriebe die zur Übergabe anstehen einen Übernehmer finden werden. Selbst familienintern sieht es nicht mehr üppig aus: Nur noch bei ca. 30 bis 40 Prozent der Übergaben erfolgt die Übergabe an ein Familienmitglied. Die Mehrzahl der Übergaben erfolgt an einen Nachfolger außerhalb der Familie. Auf einen Nachfolger zu warten, also passiv zu hoffen, dass irgendjemand von außen den Betrieb schon irgendwann mal haben wollen wird, ist unter diesen Bedingungen nicht zu empfehlen. Sie sollten stattdessen frühzeitig unter ihren Mitarbeitern Ausschau halten, ob jemand dabei ist, der das Zeug zum Unternehmer haben könnte und ihre Mitarbeiter entsprechend fördern. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter in deren beruflicher Entwicklung fördern und in Ihrem Betrieb außerdem ein gutes Betriebsklima herrscht, erhöht das Ihre Chance, dass Sie unter Ihren Mitarbeitern einen geeigneten Nachfolger finden.
Und, selbst wenn Sie unter Ihren Mitarbeitern später trotz Ihres Engagements keinen Nachfolger finden, hat es sich dennoch gelohnt: Betriebe mit gut qualifizierten und motivierten Mitarbeitern finden selbstverständlich auch leichter einen externen Nachfolger.

 

Stolperstein Nummer 4: Zu hoher Kaufpreis.

Neben der Attraktivität Ihres Betriebes hinsichtlich der Personalstruktur, des Kundenstamms, der Betriebsausstattung oder des Produkt- und Leistungsspektrum, muss auch der Übergabekaufpreis angemessen sein. Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang zwischen einer Betriebsbewertung die beispielsweise Ihre Handwerkskammer für Sie erstellen kann und der tatsächlichen Kaufpreisfindung zwischen Übergeber und Übernehmer: Eine Betriebsbewertung ermittelt einen theoretischen Wert, der die Basis für die Kaufpreisverhandlung sein kann. Der Kaufpreis hingegen ist das Ergebnis der Kaufpreisverhandlung zwischen dem Käufer und dem Verkäufer. Der Kaufpreis muss daher nicht identisch mit dem Bewertungsergebnis sein. Der Kaufpreis hängt von der Marktlage an Betriebsangeboten und der Anzahl potentieller Nachfolger ab. Selbstverständlich kommt es immer auf den konkreten Einzelfall an, aber im Schnitt über alle Gewerke und Betriebe übersteigt das Angebot an Betrieben die Nachfrage. Wenn Übergeber und Übernehmer sich nicht auf einen Kaufpreises einigen können, haben die Übergeber eher das Nachsehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein potentieller Nachfolger einen anderen Betrieb findet um dort seine Kaufpreisvorstellung durchzusetzen, ist größer, als dass ein Übergeber einen anderen Nachfolger findet, der bereit ist mehr zu zahlen. Sie sollten daher Preisverhandlungen nicht abbrechen, nur weil die Kaufpreisvorstellungen zwischen Ihnen und einem potentiellen Nachfolger auseinanderliegen. Sofern Sie niemand anderen in Aussicht haben, der mehr zu zahlen bereit ist, sollte Sie weiter verhandeln und sich gegebenenfalls auch dem Kaufpreisangebot Ihres potentiellen Nachfolgers annähern.

 

Stolperstein Nummer 5: Nicht loslassen können.

Betriebsinhaber, die über viele Jahre ihren Betrieb mit viel Fleiß aufgebaut haben, können sich die Zeit nach der Betriebsübergabe manchmal nur sehr schwer vorstellen. Sie haben in den vielen zurückliegenden Jahren wegen betrieblicher Belange oft ihr Privatleben und Hobbies hintenangestellt. Die viele Freizeit, die nach einer Übergabe auf den Inhaber zukommt, kann aus dieser Perspektive dann schon mal leicht bedrohlich wirken.

Ohne sich der Ungewissheit über den neuen Lebensabschnitt wirklich bewusst zu sein, verschiebt so mancher Inhaber schlicht das Thema Übergabe munter von einem Jahr auf das nächste und das übernächste usw.. Nicht loslassen zu können, zeigt sich jedoch nicht nur im Vorfeld einer Übergabe sondern kann auch nach der Übergabe auftreten. Beispielsweise in dem der Übergeber viele Jahre nach der Übergabe noch im Blaumann durch die Werkstatt streift, um nach dem Rechten zu sehen. Mit dieser humorvollen Schilderung wollen wir Ihnen das tatsächlich ernste Thema bewusst machen: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und daher bringt jeder neue Lebensabschnitt unweigerlich auch Ängste und Befürchtungen mit sich. Schaffen Sie sich daher am besten schon ein paar Jahre vor der Übergabe zunehmend Freiräume, in dem Sie Stück für Stück mehr Verantwortung an Ihre Mitarbeiter übertragen. Wenn möglich, bauen Sie sich eine zweite Führungsebene auf. So können Sie sich bewusst die Zeit nehmen, die Sie brauchen, um zu lernen wie sie Ihre zunehmende freie Zeit ausfüllen wollen. Auch Ihr Nachfolger wird davon profitieren, dass Sie Verantwortung auf Mitarbeiter übertragen, denn dadurch bleibt auch nach der Übergabe viel Knowhow im Betrieb.

 

Stolperstein Nummer 6: Eine Betriebsübergabe ohne die richtigen Partner.

Selbstverständlich sind die wichtigsten beiden Voraussetzungen einer Übergabe, dass es auf der einen Seite einen attraktiven Betrieb gibt, der übergeben werden soll und auf der anderen Seite ein geeigneter Nachfolger bereit ist, diesen Betrieb zu übernehmen. Doch damit ist es noch nicht getan: Damit eine Übergabe in trockene Tücher kommt, sind noch eine Vielzahl an rechtlichen und steuerlichen Hürden zu nehmen. Hier eine kleine Auswahl der Fragen, die es in diesem Zusammenhang zu klären gilt: Stille Reserven? Asset Deal oder Share Deal? Betriebsübergang nach § 613a BGB? Ertragswert oder Substanzwert? Notarieller Kaufvertrag? Kurzum, eine Betriebsübergabe ist eine komplizierte Angelegenheit. Suchen Sie sich daher gute Partner für Ihre steuerlichen und rechtlichen Fragen.

 

Nutzen Sie die kompetente Beratung des Zentrums für Betriebsnachfolge (ZEN) Ihrer Handwerkskammer. Kommen Sie rechtzeitig auf uns zu.