Gelebte Vielfalt im Handwerk: Neue Lehrlinge stammen aus rund 70 verschiedenen Ländern

Jeder vierte Azubi zwischen Ostalb und Bodensee mit ausländischer Staatsangehörigkeit – Handwerkskammer Ulm fordert niedrigere Hürden bei Zuwanderung

Die Handwerkskammer Ulm überschreitet bei den Zahlen der neuen Auszubildenden im Handwerk die 3.000er Marke und steuert damit auf einen neuen 20-Jahres-Höchststand zu. Zum 30. September 2026 wurden insgesamt 3.102 neue Lehrverträge unterzeichnet. 813 dieser neuen Azubis im Ulmer Kammergebiet besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft – also mehr als jeder vierte Auszubildende. Insgesamt kommen diese Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker aus 67 verschiedenen Ländern. Besonders häufig vertreten sind junge Menschen aus Vietnam, Syrien, der Ukraine und der Türkei. Die Statistik umfasst dabei neben Asylsuchenden auch vom Handwerk angeworbene Zugewanderte und Nachfolgegenerationen der sogenannten Gastarbeiter. Unter allen Auszubildenden, die derzeit im Gebiet der Handwerkskammer Ulm über alle Lehrjahre hinweg eine Ausbildung absolvieren, sind insgesamt 84 verschiedene Herkunftsländer vertreten. Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, sagt dazu: „Vielfalt ist im Handwerk keine abstrakte Idee, sondern in den Betrieben gelebter Alltag – und das seit vielen Jahrzehnten. Sei es auf der Baustelle, im Büro, in der Werkstatt oder bei den Kundinnen und Kunden vor Ort: Menschen unterschiedlichster Länder arbeiten tagtäglich im Handwerk zusammen und bringen gemeinsam die Auftragserfüllung. Dabei bringt jeder seine eigenen Erfahrungen, Perspektiven und Fähigkeiten mit. Das fordert, aber bereichert unsere Branche auch.“

Auch zukünftig sind internationale Arbeitskräfte ein wichtiger Baustein für den Fortbestand des regionalen Handwerks. Nur so kann auch für die kommenden Jahre die Versorgung der Bevölkerung zwischen Ostalb und Bodensee mit handwerklichen Dienstleistungen und Produkten sichergestellt und die Betriebe am Laufen gehalten werden. „Unser regionales Handwerk ist auf Zuwanderung angewiesen, wenn wir den wachsenden Fachkräftebedarf langfristig decken wollen. Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen und sich für eine Tätigkeit im Handwerk entscheiden, sind keine Konkurrenz, sondern eine wertvolle Verstärkung für unsere Betriebe und für unser Sozialsystem“, so Mehlich.

Verfahren beschleunigen, Kooperationen ausweiten

Neben Auszubildenden aus dem Ausland setzen Handwerksbetriebe auch aktiv auf die Integration ausländischer Fachkräfte in die regionale Wirtschaft. Um diesen Prozess zu erleichtern, fordert das Handwerk ein weiter gestrafftes und unkomplizierteres Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Mehlich weiter: „Diese Fachkräfte aus dem Ausland werden dringend benötigt. Unnötige Wartezeiten und bürokratische Hürden können die Integration zusätzlich erschweren. Die Politik sollte hier nachjustieren und die Zuwanderungsverfahren weiter beschleunigen, vereinfachen und zielgenauer machen für diejenigen, die sich bei uns einbringen und mitarbeiten wollen.“ Um neue Fachkräfte noch schneller in den Arbeitsmarkt integrieren zu können, kooperiert die Handwerkskammer Ulm bereits mit folgenden Landkreisen und Kommunen: Alb-Donau-Kreis, Kreis Biberach, Stadt Ulm, Stadt Biberach, Stadt Aalen und Stadt Leutkirch. In Zukunft sollen weitere Kooperationen im Ulmer Kammergebiet folgen.  



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