Konjunkturumfrage: Regionales Handwerk tritt weiter auf der Stelle

Angespannte Geschäftslage im dritten Quartal 2026 im Gebiet der Handwerkskammer Ulm – gestiegene Einkaufspreise und weniger Aufträge – Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee blicken pessimistisch ins Schlussquartal – fünf von sechs Inhabern wollen Personalstamm halten

Die Geschäftslage in den Handwerksbetrieben der Region wird im dritten Quartal 2026 schlechter beurteilt als noch im Vorjahresquartal – das zeigen die aktuellen Daten der regelmäßigen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ulm. Während das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe derzeit noch positive Signale senden, kommt aus dem Nahrungsmittelgewerbe die pessimistischste Einschätzung der wirtschaftlichen Lage. Rund 44 Prozent aller Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee beschreiben ihre momentane Geschäftslage als gut. Von einem schlechten Geschäftsverlauf für die Monate Juli bis September berichten hingegen rund 18 Prozent der befragten Betriebe. Zum Vergleich: Im entsprechenden Vorjahresquartal waren 58 Prozent mit ihrer Geschäftslage zufrieden und nur zehn Prozent unzufrieden. „Unsere Betriebe haben derzeit schwer zu kämpfen, die Stimmung ist entsprechend verhalten. Trotz der kürzlich angehobenen Wachstumsprognose für das Gesamtjahr bleibt der erhoffte Aufschwung im Handwerk aus. Stattdessen verharren wir seit mehreren Monaten auf dem gleichen Niveau ohne nennenswerte Dynamik. Hinzu kommen die anhaltend hohen Energiekosten und steigende Einkaufspreise, die nicht einfach an die Kundinnen und Kunden weitergereicht werden können. Für die Betriebe wird das zunehmend zur Belastungsprobe, die langfristig großen Schaden anrichten kann“, sagt Katja Maier, Präsidentin der Handwerkskammer Ulm.

Rückläufige Umsätze und stagnierende Auslastung
Die Auftragslage in den Handwerksbetrieben hat sich im dritten Quartal des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum verschlechtert: Während rund 18 Prozent der Betriebe gestiegene Auftragseingänge vermelden konnten, berichten rund 40 Prozent von Auftragseinbußen. Insbesondere der Bereich Nahrungsmittel und das Kfz-Gewerbe sind von Rückgängen stark betroffen. Einzig im Gesundheitshandwerk hat sich die Auftragslage verbessert. Bei der Umsatzentwicklung der Betriebe im Ulmer Kammergebiet bietet sich ein ähnliches Bild: Rund 16 Prozent der Befragten haben Umsatzsteigerungen gemeldet, während 38 Prozent – und damit mehr als doppelt so viele – von einem Umsatzminus berichten. Gegenüber dem Vorjahr ist die Betriebsauslastung im dritten Quartal ebenfalls rückläufig: So stieg der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe, die maximal zu 60 Prozent ausgelastet sind, im Jahresvergleich von 17 Prozent auf nunmehr 25 Prozent. Im Gegenzug sind rund zwölf Prozent der Betriebe über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet, jeder Dritte ist nahezu voll ausgelastet. Die steigenden Material- und Energiekosten kommen im ohnehin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld für viele Handwerksbetriebe erschwerend hinzu. Mehr als 70 Prozent der Befragten berichten demnach von gestiegenen Einkaufspreisen, die nicht oder nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden können. Vor diesem Hintergrund bleibt der Ausblick auf das vierte Quartal gewerkeübergreifend skeptisch. „Die Situation im regionalen Handwerk bleibt vielerorts angespannt. Diese Unsicherheiten hemmen weitere Investitionen und können zu Stillstand führen. Was wir jetzt brauchen, ist eine Trendwende, damit wir das wirtschaftliche Tal hinter uns lassen“, so Maier.

Die Zahl der Beschäftigten geht erwartungsgemäß leicht zurück. So haben 13 Prozent der Handwerksbetriebe im dritten Quartal Personal aufgebaut, während 14 Prozent Mitarbeitende abbauen mussten.

Die Beschäftigtenzahl ist zur Jahresmitte ebenfalls rückläufig. So haben sieben Prozent der befragten Betriebe im zweiten Quartal zusätzliches Personal eingestellt, während 15 Prozent – und damit mehr als doppelt so viele – Personal abgebaut haben. 78 Prozent haben angegeben, dass die Zahl ihrer Mitarbeitenden konstant geblieben ist.

Verhaltener Ausblick zum Jahresende
Die Erwartungen an die Schlussmonate 2026 fallen verhaltener aus als im Vorjahresquartal: Auf eine Verbesserung der Geschäftslage hoffen 18 Prozent der Betriebe, während 24 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Am pessimistischsten blickt das Bauhauptgewerbe auf das Jahresendquartal. Die Beschäftigtenzahl im Handwerk dürfte sich nicht merklich verändern: Fünf Prozent der Befragten wollen laut eigener Aussage die Anzahl ihrer Mitarbeitenden erhöhen, elf Prozent rechnen hingegen damit, dass Personal abgebaut werden muss. Rund 84 Prozent gehen von unveränderten Beschäftigtenzahlen aus.



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