„Unternehmensbörse Handwerk“ gestartet – Rund 3.800 Betriebe im Gebiet der Handwerkskammer Ulm stehen in den kommenden Jahren zur Übergabe an

In Baden-Württemberg hat das Handwerk eine gewaltige Aufgabe zu meistern: Denn in den kommenden fünf Jahren stehen rund 28.000 Handwerksbetriebe im Land vor einer Übergabe oder Schließung. Das zeigt eine aktuelle Sonderumfrage des Dachverbands Handwerk BW. Viele Betriebsinhaberinnen und -inhaber stehen also vor der Herausforderung, die Nachfolge zu regeln – wenn sich hier niemand passendes findet, droht vielen Betrieben das Aus. Im gesamten Kammergebiet Ulm müssen sich rund 18 Prozent der rund 21.000 Handwerksbetriebe in den kommenden Jahren um eine geregelte Nachfolge kümmern. Hauptursächlich hierfür sind neben dem akuten Fachkräftemangel und dem demografischen Wandel der zahlenmäßige Rückgang bei den Meisterabsolventen. Laut einer aktuellen Sonderumfrage der Handwerkskammer Ulm zum Thema Betriebsnachfolge stellt die Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder einer geeigneten Nachfolgerin die größte Herausforderung bei der Betriebsübergabe dar – das haben 47 Prozent der Befragten angegeben. An zweiter Stelle werden steuerliche Aspekte genannt (44 Prozent), gefolgt von der Ermittlung des Unternehmenswertes (32 Prozent). Um mehr potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger für eine Übernahme im Handwerk zu begeistern, haben sich die acht Handwerkskammern in Baden-Württemberg zusammengetan, um verstärkt für die Selbständigkeit zu werben und Interessenten auf das Unternehmertum vorzubereiten.
Eine weitere Säule innerhalb der vom Land Baden-Württemberg geförderten Initiative Next Generation Handwerk ist eine landesweite Plattform mit dem Namen „Unternehmensbörse Handwerk“. Diese bringt Übergebende und Nachfolgende zusammen. Die Unternehmensbörse Handwerk ist vor wenigen Tagen an den Start gegangen und eng mit den Beratungsteams der Handwerkskammern verzahnt. Die Expertinnen und Experten begleiten Betriebe und Nachfolgeinteressierte bei Fragen der Unternehmensbewertung, Finanzierung, rechtlichen Ausgestaltung und betriebswirtschaftlichen Planung. Die landesweite Börse ist eine Weiterentwicklung bereits vorhandener Matching-Plattformen, unter anderem der Börse der Handwerkskammer Ulm. Diese war 2016 gestartet und hat seitdem zu über 8.500 Matches zwischen Übergebenden und Interessenten geführt.
Vorteil der neuen Börse ist der landesweite Inhalt. Über die Unternehmensbörse können Betriebsinhaberinnen und -inhaber kostenfrei Inserate veröffentlichen. Nachfolgeinteressierte können individuelle Suchprofile anlegen. Eine intelligente Matching-Funktion gleicht verifizierte Betriebe und Interessierte anhand von Kriterien wie Gewerk, Region, Qualifikation oder Betriebsgröße ab. Nutzerinnen und Nutzer erhalten passende Vorschläge, sobald ein Inserat zu ihrem Profil passt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Interessenten für einen passenden Betrieb auch einen Umzug in Kauf nehmen und können mit der großen Börse nun ein landesweites Angebot machen“, kommentiert Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Zudem verwies er auf die hohe Bedeutung der Betriebsnachfolge für die Regionen und die Versorgung der Bevölkerung. „Wenn wir hier nicht erfolgreich sind, werden sich Wohlstand und Lebensbedingungen in der Fläche deutlich verändern. Ohne Heizungsbauer oder Elektriker im Umkreis lebt es sich anders.“
Die Unternehmensbörse und die Übergabeberatung sind Teil des Projekts Next Generation Handwerk, gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg im Rahmen der Kampagne „Nachfolge BW“. Mehr Informationen unter https://www.nachfolge-im-handwerk.de/start.html