Handwerkskammer Ulm baut Projekt „Beschäftigungsbrücke“ weiter aus – Nachwuchskräfte für Fleischer- und Bäckerbetriebe angekommen

Die Nachfrage nach Fachkräften und Auszubildenden im regionalen Handwerk ist weiterhin hoch. Betriebe suchen händeringend Nachwuchs, um Kundenaufträge zu erfüllen, die Energie- und Klimawende umzusetzen und die Versorgung der Menschen vor Ort zu sichern. Um die Betriebe dabei zu unterstützen, hat die Handwerkskammer Ulm das Projekt Beschäftigungsbrücke Indien ins Leben gerufen. In diesem Jahr konnten 19 junge Männer und eine junge Frau aus Indien für eine handwerkliche Ausbildung zwischen Ostalb und Bodensee gewonnen werden – 18 von ihnen beginnen im Fleischerhandwerk, zwei im Bäckerhandwerk. Damit wächst das Pilotprojekt deutlich: Im vergangenen Jahr starteten elf Auszubildende in eine handwerkliche Lehre. Dazu sagt Katja Maier, Präsidentin der Handwerkskammer Ulm: „Die Beschäftigungsbrücke ist wichtig für einige unserer Betriebe. Unser regionales Handwerk braucht dringend Azubis und Fachkräfte, denn wir haben genug Arbeit bei zu wenigen Händen. Die Lösung lautet Zuwanderung. Ich freue mich, dass wir nun schon die zweite Gruppe junger Inder bei uns begrüßen dürfen. Und wieder etwas mehr.“
Kandidaten durchlaufen langes Auswahlverfahren
Bevor die jungen indischen Azubis nach Deutschland kamen, absolvierten sie in Indien eine mehrmonatige Vorbereitungsphase. Diese umfasste nicht nur intensive Sprachkurse bis zum B1-Niveau, sondern auch interkulturelle Schulungen, Grundkenntnisse zu Arbeitskultur, Sicherheit, Hygiene und Lebensalltag in Deutschland. Damit sollen sie optimal auf ihre Ausbildung und das Leben vor Ort vorbereitet werden. Ziel ist, dass sie sich schnell zurechtfinden, im Team einleben und in den Betrieben von Anfang an mitarbeiten können. Die Auswahl und Vorbereitung der Azubis erfolgt gemeinsam mit der indischen Partneragentur Magic Billion. Geschäftsführerin Aditi Banerjee erklärt: „Viele junge Menschen in Indien sehen in einer Ausbildung in Deutschland eine große Chance. Sie lernen hier einen anerkannten Beruf, erwerben wertvolle Erfahrung und können mit einer abgeschlossenen Ausbildung langfristig als Fachkräfte bleiben.“
Das Projekt soll 2026 weiter ausgebaut werden – dann auch in weiteren Gewerken. Hintergrund ist der, sich weiter verschärfende, Fachkräftebedarf. Jährlich bleiben hunderte Lehrstellen im Gebiet der Handwerkskammer Ulm unbesetzt. Die Zahl könnte in den nächsten Jahren aufgrund der in Rente gehenden Babyboomer weiter ansteigen. Die Initiative der Beschäftigungsbrücke ist ein Mittel gegen diese Entwicklung und soll Betriebe entlasten und ihnen helfen, Nachwuchs frühzeitig zu sichern. „Wir brauchen Menschen, die auch in Zukunft weiter anpacken“, so Maier weiter: „Die jungen indischen Azubis bringen Motivation und Lernbereitschaft mit und sind dankbar für die Chance, in unseren Betrieben eine Karriere zu beginnen. Sie sind damit eine Bereicherung für unser Handwerk und unsere Gesellschaft.“