Hand aufs Herz:

Wüssten Sie, bis wann es Frauen in den alten Bundesländern verboten war einer Beschäftigung im Bauhauptgewerbe nachzugehen?
Was schätzen Sie: 50er-Jahre? 60er-Jahre? Weit gefehlt. Dieses Beschäftigungsverbot galt bis ins Jahr 1994! Unglaublich, oder?
Seither hat sich im Handwerk glücklicherweise viel getan und in die richtige Richtung entwickelt. Ansonsten wäre es kaum möglich, dass ich etwa als Zimmerermeisterin heute das Präsidentenamt der Ulmer Kammer bekleiden darf. Das Handwerk ist aber nach wie vor stark von traditionellen Rollenbildern geprägt. Stereotype wie „reine Männerarbeit“ halten sich hartnäckig, obwohl die Branche diese Klischees zunehmend widerlegt. Das gilt insbesondere für die Baubranche.
Von wegen Baustellen sind Männersache: Immer mehr Frauen zieht es in dieses Gewerk. Zum Glück.
Denn mit dem digitalen Wandel und dem damit einhergehenden vermehrten Einsatz von Maschinen und modernster Technologie werden die körperlichen Belastungen handwerklicher Berufe geringer – und damit werden viele Berufe für Frauen attraktiver. Erfreulicherweise setzen sich immer mehr Handwerkerinnen in ehemals als reine Männerberufe verstandenen Gewerken durch: etwa als Malerin und Lackiererin, Schreinerin/Zimmerin und Fleischerin. In diesen Gewerken steigt der Frauenanteil im Ulmer Kammergebiet kontinuierlich an, die Berufe ver- schwimmen zusehends. Und das ist gut so.
Noch ein paar Fakten, die diesen Trend untermauern: Mehr als jeder fünfte Betrieb in der Region wird weiblich geführt. Rund 21 Prozent der Azubis im Gebiet der Handwerkskammer Ulm sind Frauen.
Das sind ermutigende Zahlen. Gerne mehr davon.
Katja Maier, Zimmerermeisterin aus Westhausen und Präsidentin der Handwerkskammer Ulm