Handwerkskammer Ulm kritisiert Reduzierung von Sprachkursen und Rückkehrquoten

Viele Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee sind auf ausländische Fachkräfte angewiesen – Regionales Handwerk besorgt über aktuelle politische Pläne

Die Handwerkskammer Ulm verfolgt die aktuelle Debatte in der Bundespolitik zur Rückführung von ausländischen Arbeitskräften und zur Reduzierung von Sprachkursen für diese mit Sorge. Danach wird diskutiert, die Förderung von Sprachkursen einzustellen und zudem 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in den kommenden drei Jahren in ihr Heimatland zurückzuführen. Die Handwerkskammer macht deutlich, dass unter anderem im Bau-, Metzger- und Bäckerhandwerk die Aufrechterhaltung des Regelbetriebs bereits jetzt maßgeblich von eingewanderten Arbeitskräften abhängig sei. Allein im Gebiet der Handwerkskammer Ulm zwischen Ostalb und Bodensee haben seit 2017 mehr als 310 junge Menschen aus Syrien erfolgreich die Gesellen- bzw. Abschlussprüfung bestanden und wurden zu qualifizierten Fachkräften ausgebildet. „Übereilte und undifferenzierte Maßnahmen wie eine Streichung von Sprachförderungskursen oder gar pauschale Rückführungen nach Syrien nach einem Zahlenschlüssel sind nicht der richtige Weg. Die Debatte muss berücksichtigen, dass viele syrische und andere Fachkräfte und Auszubildende in unseren Betrieben bereits jetzt wertvolle Arbeit für unseren heimischen Markt leisten. Hier kann Schaden für unsere regionalen Handwerksbetriebe entstehen“, sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Die Ulmer Kammer verweist darauf, dass der Fachkräftebedarf bereits hoch sei und sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen werde. Laut Prognose werden auf dem Arbeitsmarkt bis 2030 aller Voraussicht nach zehnmal mehr Gesellen und Meister fehlen als Akademiker. Mehlich weist zudem darauf hin, dass viele Zugewanderte hierzulande gut in die Betriebe integriert seien und damit für die Gesellschaft unverzichtbar seien. Nicht selten seien sie mittlerweile sogar deutsche Staatsbürger geworden. Als die syrischen Flüchtlinge damals über Ausbildung und Arbeit integriert wurden war freilich klar, dass irgendwann eine Rückkehr in die Heimat stattfinden könne; für diesen Fall sei man damals davon ausgegangen, dass eine handwerkliche Tätigkeit eine wunderbare Voraussetzung auch für den Aufbau und die Entwicklung des Heimatlandes sein könne. Auch sei das Handwerk der Meinung, straffällige Syrer sollten das Land verlassen können. Mehlich fordert aber, die Situation der Menschen nach zehn Jahren und auch die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft müssten jetzt stärker beachtet werden: „Die Geflüchteten sitzen sicher nicht auf gepackten Koffern, um schnellstmöglich wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Sie zahlen vielmehr seit Jahren Steuern und Sozialversicherungen, haben Freundschaften geschlossen und sind heute vielfach integraler Bestandteil unserer Gesellschaft – und unsere Handwerksbetriebe und unsere Kunden brauchen sie. Es ist zum Glück durch die Befriedung Syriens ein Wettbewerb um die jungen Menschen und qualifizierten Fachkräfte von morgen entstanden. An diesem Wettbewerb sollten wir uns beteiligen und nicht einfach pauschale Rückkehrquoten durchziehen. Wir haben als Handwerk und als Deutschland gute Argumente fürs Hierbleiben. Die sollten wir offensiv einbringen.“

Auch die Streichung bzw. Reduzierung von Sprach- und Integrationskursen sieht die Handwerkskammer kritisch: „Unsere Betriebe brauchen künftig Fachkräfte und Auszubildende aus anderen Ländern. Unsere Sozialsysteme und die Kunden unserer Betriebe auch. Sprache ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass unser Handwerk dann seine Integrationsarbeit in den Betrieben leisten kann. Ich warne davor, mit dem Ausländerrecht vorschnell den Fachkräftebedarf zu verschärfen“, so Mehlich.

Hintergrund zu Geflüchteten aus Syrien:
Das Handwerk setzt in seiner Personalpolitik seit Jahren Hoffnung auf Zuwanderer und demzufolge auch auf syrische Migranten, gerade in der Ausbildung: Fast die Hälfte all derjenigen mit Fluchthintergrund, die bundesweit eine berufliche Ausbildung machen, machen diese laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im Handwerk. 2023 waren das knapp 8.400 Menschen – etwa 2,5 Prozent aller Azubis im Handwerk. Betriebe, die syrische Geflüchtete oft mit erheblichem Aufwand und Engagement ausbilden oder beschäftigen, brauchen Planungssicherheit. Betriebsinhaberinnen und -inhaber erwarten jetzt, dass sie ihre syrischen Beschäftigten dauerhaft als wichtige qualifizierte Fachkräfte weiter beschäftigen können.

Hintergrund zu benötigten Azubis und Fachkräften im Handwerk
Zugewanderte aus dem kriegsgebeutelten Land werden in der Region dringend als Fachkräfte benötigt. Im Gebiet der Handwerkskammer Ulm gibt es derzeit noch mehr als 250 offene Lehrstellen. Davon befinden sich 34 im Alb-Donau-Kreis, 53 im Landkreis Biberach, 19 im Bodenseekreis, 9 im Kreis Heidenheim, 63 im Ostalbkreis, 56 im Kreis Ravensburg und 23 im Stadtgebiet Ulm.



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