Handwerkskammer Ulm fordert höhere Meisterprämie für mehr Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung

Jedes Jahr entscheiden sich im Gebiet der Handwerkskammer Ulm rund 500 Gesellinnen und Gesellen für den nächsten Karriereschritt und legen ihre Meisterprüfung ab. Der Weg zum Meistertitel ist dabei anspruchsvoll – fachlich wie finanziell. Denn je nach Gewerk investieren angehende Meisterinnen und Meister bis zu 10.000 Euro und mehr in ihre Weiterbildung. Um diese hohe Belastung abzufedern, unterstützt das Land Baden-Württemberg seit sechs Jahren erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen mit der Meisterprämie in Höhe von 1.500 Euro. Insgesamt wurden seitdem inzwischen über 3,5 Millionen Euro an frisch gebackene Handwerksmeisterinnen und -meister zwischen Ostalb und Bodensee ausgezahlt. Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, sagt: „Es ist gut, dass es die Meisterprämie bereits seit einigen Jahren gibt. Sie wurde eingeführt, um die Ungerechtigkeit zwischen beruflicher und akademischer Weiterbildung zu verringern. Das ist die richtige Richtung. Denn es ist schlichtweg unfair, dass ein Studium an einer Universität oder Hochschule in der Regel kostenfrei ist, während für einen handwerklichen Meistertitel tausende Euro investiert werden müssen.“
Die Förderung erreicht mittlerweile rund neun von zehn Absolventinnen und Absolventen und ist damit ein wichtiger Baustein zur Anerkennung beruflicher Weiterbildung. Antragsberechtigt sind Jungmeisterinnen und Jungmeister mit Wohn- oder Arbeitsort in Baden-Württemberg. Ein Blick in andere Bundesländer zeigt aus Sicht der Handwerkskammer weiteres Potenzial: In Bayern und Hessen liegt der Meisterbonus inzwischen bei 3.000 bzw. 3.500 Euro. Eine Anhebung auch in Baden-Württemberg wäre aus Sicht des regionalen Handwerks ein konsequenter nächster Schritt hin zu echter Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Mehlich weiter: „Es dürfen keine Kosten an den jungen Lernenden hängen bleiben. Andere Länder machen es vor, wir sollten nachziehen. Nach wie vor ist die Weiterbildung für den Teilnehmer ein Drauf-Zahl-Geschäft. Das begreift auch die Politik und möchte nachschärfen. So haben die Spitzenkandidaten der CDU, der Grünen und der SPD bereits versichert: Die Meisterprämie wird auch in Baden-Württemberg ansteigen. Jetzt muss das Versprechen aber auch eingelöst werden.“
Selbstständigkeit gezielt fördern
Neben der Meisterprämie setzt das Land mit der Meistergründungsprämie gezielt Anreize für den Schritt in die Selbstständigkeit. Wer innerhalb von 24 Monaten nach dem Meisterabschluss einen Betrieb gründet oder übernimmt, kann eine Förderung von bis zu 10.000 Euro erhalten. Im vergangenen Jahr wurden im Gebiet der Handwerkskammer Ulm 26 Anträge bewilligt. Angesichts des wachsenden Bedarfs an Betriebsnachfolgen ist diese Förderung aus Sicht der Kammer besonders wichtig. Allein im Ulmer Kammergebiet stehen in den kommenden Jahren knapp 4.000 der insgesamt gut 20.000 Handwerksbetriebe altersbedingt zur Übergabe an. „Betriebsübernahmen sind unsere Start-ups. Wenn wir die regionale Versorgung sichern wollen, brauchen wir mehr Mut zur Selbstständigkeit im Handwerk“, so Mehlich: „Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Eine Ausweitung der Meistergründungsprämie auf einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren nach dem Meisterabschluss würde jungen Meisterinnen und Meistern mehr Planungssicherheit geben und dem Handwerk langfristig helfen.“