Wirtschaftliche Situation zwischen Ostalb und Bodensee im vierten Quartal 2025 von fehlenden Aufträgen und geringer Auslastung geprägt – Handwerksbetriebe fordern politische Impulse und Reformen

Die Geschäftslage in den Handwerksbetrieben der Region hat sich zum Jahreswechsel weiter eingetrübt – das zeigen die aktuellen Daten der regelmäßigen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ulm. Demnach bewertet nur noch jeder zweite Betrieb (51 Prozent) die Lage im vierten Quartal 2025 als gut. Positive Signale kamen insbesondere aus den Bau- und Ausbauhandwerken sowie dem Gesundheitshandwerk. Von einem schlechten Geschäftsverlauf berichten hingegen 19 Prozent der befragten Betriebe im Kammergebiet. Im entsprechenden Vorjahresquartal wurde die Geschäftslage noch merklich positiver eingestuft (61 Prozent „gut“, 10 Prozent „schlecht“). Dazu sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm: „Das wirtschaftliche Umfeld hat sich über die Wintermonate weiter verschlechtert. Die Sorgenfalten werden tiefer. Was wir jetzt dringend benötigen, ist eine Politik, die Reformen zügig anpackt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Unsere Betriebe erwarten zeitnah politische Impulse, die sie spürbar entlasten.“

Betriebe leiden unter rückläufigem Auftragseingang, stagnierenden Umsätzen und geringer Kapazitätsauslastung
Im regionalen Handwerk vermelden 19 Prozent der Betriebe einen gestiegenen Auftragseingang im vierten Quartal 2025. Mehr als doppelt so viele – rund 39 Prozent der Befragten – berichten hingegen von Auftragsrückgängen gegenüber dem Vorquartal. Die Umsätze der Handwerksbetriebe im Gebiet der Handwerkskammer Ulm haben sich Ende vergangenen Jahres verglichen mit dem Vorjahresquartal ebenfalls rückläufig entwickelt: Rund 20 Prozent der Befragten haben Umsatzsteigerungen gemeldet, während 35 Prozent Rückgänge angegeben haben. Der negative Trend setzt sich auch bei der Betriebsauslastung fort, die in den Handwerksbetrieben im Schlussquartal gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken ist: Neun Prozent der Betriebe sind über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet, 29 Prozent berichten von einer nahezu vollen Auslastung. Rund 27 Prozent der Befragten haben hingegen noch ausreichend Kapazitätsfreiräume. Die Zahl der Beschäftigten ist dementsprechend zum Jahresende insgesamt zurückgegangen. So haben fünf Prozent der befragten Betriebe im Schlussquartal zusätzliches Personal eingestellt, während elf Prozent von einem Personalrückgang berichten. 82 Prozent haben angegeben, ihren Personalstamm gehalten zu haben. Mehlich weiter: „Unsere Betriebe leiden unten steigenden Materialpreisen sowie hohen Energie- und Personalkosten. Nun leeren sich auch noch zunehmend die Auftragsbücher – das bereitet uns Sorgen. Noch hält ein Großteil unserer Inhaberinnen und Inhaber an ihren Beschäftigten fest. Aber die Situation könnte sich in den kommenden Monaten weiter zuspitzen. Wir müssen dem jetzt zügig entgegenwirken.“

Gedämpfte Erwartungen für das erste Quartal
Der Ausblick für die kommenden Monate ist im Vergleich zum Vorjahr leicht positiv: Rund jeder fünfte Betrieb geht von einer Verbesserung der Lage aus. 27 Prozent rechnen wiederum damit, dass sich die Geschäftslage weiter verschlechtert. Die Umsatzerwartungen sind im Vorjahresvergleich konstant geblieben mit 22 Prozent steigenden zu 31 Prozent sinkenden Erwartungen. Bei der Auftragserwartung sind die Betriebe pessimistischer. So rechnen lediglich 21 Prozent mit mehr Aufträgen, während 30 Prozent der Betriebe einen Auftragsrückgang befürchten. Bei der Personalplanung beabsichtigen 13 Prozent der Befragten den Mitarbeiterstamm zu reduzieren. Sieben Prozent wollen die Zahl der Mitarbeitenden erhöhen. „Die Luft wird auch für unsere Betriebe dünner. Die wirtschaftliche Situation ist bestenfalls lustlos. Es fehlen hoffnungsspendende Impulse“, so Mehlich.

Methodischer Hinweis zur Befragung:
Im Rahmen einer Online-Umfrage werden vierteljährlich Handwerksbetriebe aller acht baden-württembergischen Handwerkskammern aus allen sieben Gewerbegruppen befragt. Die Ergebnisse werden regional und nach Gewerbegruppen gewichtet. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragungen durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Auf Grund dieses Wechsels sind die Ergebnisse möglicherweise nicht vollumfänglich mit denen der Befragungen der Vorjahre vergleichbar.