Politik trifft Handwerk: Wofür die Landtagskandidaten aus dem Ulmer Raum stehen

Richtungsweisende Landtagswahl entscheidet über künftigen Kurs im Land – Handwerk, Industrie und Politik tauschen sich beim Wahlforum in Ulm aus

Die Landtagswahl am 8. März 2026 wird maßgeblich darüber entscheiden, wer künftig die Geschicke des Landes bestimmen soll und welchen Kurs Baden-Württemberg in den kommenden Jahren einschlägt. Im Wahlforum haben die aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten der Wahlkreise Ulm und Ehingen gezeigt, für was sie und ihre Parteien stehen und welche Positionen sie bei den Forderungen aus der regionalen Wirtschaft einnehmen. Die Diskussion im Ulmer Stadthaus deckte ein breit gefächertes Spektrum zentraler politischer Themen ab. Moderiert wurde die Fragerunde von Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, und Dr. Christoph Hantel, Leiter der Volkshochschule Ulm. „Die anstehende Landtagswahl bestimmt die Richtung, in die sich unser Land in den nächsten Jahren entwickeln wird. Dabei sind wichtige Weichenstellungen dringend notwendig, um die aktuelle wirtschaftliche Stagnation zu überwinden. Unsere Betriebe brauchen auf allen Ebenen spürbare Entlastungen und das haben wir in der Diskussion noch einmal klar und deutlich an die teilnehmenden Politikerinnen und Politiker adressiert“, so Mehlich.

In vier Themenblöcken durften die Kandidierenden Rede und Antwort stehen: „Infrastruktur, Energie und Standort“, „Fachkräfte gewinnen und halten“, „Ausbildung und berufliche Bildung“ sowie „Bürokratieabbau und Verwaltung 4.0“. Ralph Blankenberg (CDU), der selbst nicht für den Landtag kandidiert, sprang für den kurzfristig erkrankten Mario Schneider ein, Michael Joukov/Tobias Hocke-Beck (Bündnis 90/Die Grünen), Steffen Reik/Lisa Späth (SPD), Anke Hillmann-Richter/Uwe Schwarz (FDP), Daniel Rottmann/Michael Scheffler (AfD) und Mustafa Süslü/Niklas Boden (Die Linke) stellten sich den Fragen des Moderatoren-Duos. Die zentralen Anliegen aus dem Handwerk, die mit den Politikern auf der Bühne diskutiert wurden, reichen von günstigerer Energie, ausreichend Gewerbeflächen, einer vereinfachten Anerkennung von Abschlüssen und zügigeren Verfahren über eine endgültige Absage an die diskutierte Landesmaut bis hin zur Erhöhung der Meisterprämie für eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.

Streitpunkt Energie, Landesmaut noch nicht endgültig vom Tisch
Beim ersten Themenblock bezog Anke Hillmann-Richter von der FDP Stellung: „Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit erhalten“. Es brauche wettbewerbsfähige Energiepreise für Betriebe und Unternehmen. Die AfD möchte die Nutzung konventioneller Energiequellen absichern und den Ausbau erneuerbarer Energien begrenzen: „Wir müssen alle Energien wieder zulassen und machen uns für die Reaktivierung von Kohle und Gas stark“, sagt Michael Scheffler. Finanzielle Förderungen sehe man in der Partei nur beim Wasserstoff. AfD-Kollege Rottmann kritisierte Fehlentscheidungen wie das Verbrenner-Aus und das Aufgeben von Kernkraftwerken: „Wir brauchen einen gesunden Energie-Mix. Es war ein Fehler, die AKWs abzuschalten.“ Für die Linken will Süslü die hohen Strompreise senken, unter denen nach wie vor viele Menschen leiden. „Energie muss in der Hand von Kommunen liegen, um bezahlbaren Strom anbieten zu können.“ Und SPD-Mann Reik ergänzt: „Energiepreise müssen bezahlbar und klimasicher sein.“ Angesprochen auf die seit Jahren viel diskutierte Landesmaut, die eine zusätzliche Belastung für die Handwerksbetriebe bedeuten würde, sagte Michael Joukov (Grüne): „Es ist jetzt nicht die Zeit für die Landesmaut. Vielleicht in fünf oder zehn Jahren.“ Eine endgültige Absage an eine mögliche Maut auf Landesstraßen wollte er aber nicht erteilen.

Beim Thema Ausbildung und berufliche Bildung sprach sich CDU-Vertreter Blankenberg für finanzielle Anreize aus: „Es braucht Anreize für beide Seiten: Die Arbeitgeber und die Auszubildenden.“ Zudem betonte er die Wichtigkeit der Dualen Ausbildung, die durch enge Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben gestärkt werden müsse. Die FDP setzt sich dafür ein, die Berufsorientierung an Schulen auszubauen: „Was nötig ist, ist echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Das fängt schon in der Schule an“, sagte Uwe Schwarz. Tobias Hocke-Beck von den Grünen macht sich für eine vereinfachte Anerkennung ausländischer Abschlüsse stark, um den Fachkräftemangel hierzulande entgegenzuwirken: „Wir müssen die Prozesse und Verfahren verbessern und beschleunigen.“ Lisa Späth von der SPD betont in diesem Zusammenhang auch fehlende Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und gute soziale Absicherung und Strukturen. Nur wo diese zur Verfügung stehen, können sich Fachkräfte ansiedeln, mehr Frauen in Vollzeit arbeiten und junge Menschen eine Ausbildung beginnen.

Einigkeit beim Bürokratieabbau
Von der künftigen Landesregierung verspricht sich das Handwerk zwischen Ostalb und Bodensee vor allem auch einen spürbaren Abbau der Bürokratie, die Inhaberinnen und Inhaber zunehmend von ihrer eigentlichen handwerklichen Tätigkeit abhält. Das ist für alle Kandidaten nachvollziehbar und deshalb herrschte hier auch eine einhellige Meinung: Es gebe viel unnötige Bürokratie im Land, die man auf den Prüfstand stellen müsse. Alle Teilnehmer setzten etwa die Abschaffung von unnötigen Berichts- und Dokumentationspflichten in Aussicht, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Ziel müsse es sein, die Verwaltung Schritt für Schritt zu digitalisieren. Das würde vieles erleichtern und die Betriebe entlasten. Geht es nach dem Willen der AfD, so wolle man zudem „Bauauflagen streichen und Vorschriften zurücknehmen“, geht Rottmann bei der Entbürokratisierung noch einen Schritt weiter. SPD-Kandidatin Späth gab zu bedenken, dass es zwar ein Bürokratie-Moratorium für neue Berichtspflichten brauche, „aber nicht um jeden Preis.“

Partner des Wahlforum sind der Club der Industrie Ulm/Neu-Ulm e.V., Handwerkskammer Ulm, IHK Ulm, Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm, Ulmer Volkshochschule und Ulmer Bürgerimpulse e.V.



Telefon 0731 1425-6140
presse@hwk-ulm.de

Hallo, Ich bin HWKI, Ihr digitaler Assistant.
Wie kann ich Ihnen helfen?
HWKI (Beta)
Ihr digitaler Assistent
Der virtuelle/Digitaler Assistent „HWKI“ der Handwerkskammer basiert auf generativer künstlicher Intelligenz. Trotz sorgfältiger Entwicklung, Schulung und regelmäßiger Überprüfung der Inhalte kann nicht gewährleistet werden, dass die bereitgestellten Informationen vollständig, korrekt oder aktuell sind. Die ausgegebenen Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Beratung oder Empfehlung dar.
Insbesondere bei rechtlichen, steuerlichen, finanziellen, förderrechtlichen oder technischen Fragestellungen ersetzt der „HWKI“ keine individuelle Beratung durch die zuständigen Fachabteilungen der Handwerkskammer Ulm oder durch externe qualifizierte Fachpersonen. Eine Haftung für Schäden materieller oder immaterieller Art, die aus der Nutzung oder dem Vertrauen auf die bereitgestellten Inhalte entstehen, ist soweit gesetzlich zulässig ausgeschlossen.
Hinweise auf mögliche Fehler oder Unklarheiten nehmen wir dankend entgegen und nutzen diese zur kontinuierlichen Weiterentwicklung des „HWKI“. Auch positives Feedback ist jederzeit willkommen.