Dass es in unserem regionalen Handwerk an Nachwuchskräften fehlt, ist kein Geheimnis.

Denn trotz boomender Ausbildungszahlen im Ulmer Kammergebiet sind noch viele Lehrstellen unbesetzt. Diese Lücke lässt sich allein mit inländischen Potenzialen nicht schließen. Der Fachkräftebedarf ist jetzt schon hoch und wird weiter steigen.
Die Ausbildung junger Menschen aus Drittstaaten ist daher ein wichtiger Hebel, um Fachkräfte zu sichern und gleichzeitig langfristige Perspektiven für Betriebe und Azubis zu schaffen. Hier geht es auch um die Sicherung von Zukunftsaufgaben: Wichtige Projekte wie die Energiewende und der Wohnungsbau geraten ohne zusätzliche Handwerker ins Stocken. Unsere Kammer setzt sich aktiv für Diversität ein und hilft bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.
Jeder vierte Auszubildende im Kammergebiet hat eine ausländische Staatsangehörigkeit – Menschen aus über 70 verschiedenen Ländern. Neben Asylsuchenden sind auch angeworbene Zugewanderte und Nachfolgegenerationen der Gastarbeiter vertreten. Und sie packen jeden Tag mit an.
Ob auf Baustellen, in Werkstätten oder beim Kunden vor Ort: Seit jeher arbeiten bei uns Menschen verschiedenster Nationen Seite an Seite. Handwerk ist gelebte Vielfalt – da ist kein Platz für Hetze und Ausgrenzung. Fast die Hälfte all derjenigen mit Fluchthintergrund, die bundesweit eine Ausbildung absolvieren, machen diese im Handwerk.
Wir brauchen die Zugewanderten und die ausländischen Jugendlichen – heute als Azubis und morgen als Fachkräfte, die unsere Versorgung sichern. Politische Kräfte, die gerade Auftrieb bekommen und damit die Diskussion um Abschiebungen neu entfachen, schwächen unsere Betriebe und verteuern mittelfristig die Aufträge der Kunden. Das kann nicht unser Ziel sein.
Michael Bucher, Schreinermeister aus Bad Waldsee und Vizepräsident der Arbeitgeber der Handwerkskammer Ulm