
Lange Zeit galt in der Wirtschaft eine feste Regel: Bleiben die Aufträge weg, stehen Kündigungen – oder zumindest Kurzarbeit – auf dem Programm. Doch inzwischen denken die meisten Chefs laut einer Studie anders – auch im Handwerk. Während es in früheren Jahren üblich war, die Beschäftigung an den Konjunkturverlauf anzupassen, gehen heute viele Betriebe trotzdem von einer Aufstockung ihres Personals aus. Wie eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, plant jeder achte Betrieb (also 12,5 Prozent) Personaleinstellungen – und das trotz verhaltener Geschäftserwartungen. Als Grund dafür nannten sie die Fachkräftesicherung. Nahezu alle Befragten gaben demnach an, dass die Neubesetzung von Stellen, die frei werden, weil der Mitarbeitende in den Ruhestand geht, eine große Bedeutung hat. Es ist kein Geheimnis, dass der Renteneintritt der Babyboomer den Fachkräftemangel in unserem regionalen Handwerk verstärken wird. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften zwischen Ostalb und Bodensee verschärft sich immer weiter und viele Stellen bleiben unbesetzt. Rund 250.000 (!) Handwerkerinnen und Handwerker fehlen derzeit laut unseres Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Das stellt uns auch für die großen Zukunftsprojekte vor Probleme: Egal ob Energiewende oder Wohnungsbau, nichts klappt ohne Fachkräfte. Das ist für viele unserer Betriebe eine echte Herausforderung. Da ist guter Rat teuer. Also was tun? Nun, wir Betriebe können unseren Teil dazu beitragen, dass mehr Jugendliche – und damit die zukünftigen Fachkräfte – sich für eine handwerkliche Ausbildung begeistern, indem wir attraktive Ausbildungsangebote schaffen. Denn damit bieten wir jungen Menschen berufliche Perspektiven – direkt vor der eigenen Haustür. Wer in seinem Betrieb ausbildet, leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Es lohnt sich in Ausbildung zu investieren. Das ist gerade in Zeiten des Fachkräftebedarfs ein zentraler Baustein für den dauerhaften Geschäftserfolg. Und ganz nebenbei sichern wir damit auch die Zukunft unserer Betriebe.
Franz Manz, Metallbaumeister aus Warthausen und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm.
Dieser Kommentar ist erschienen in der DHZ-Ausgabe 13/14-2024.