Herausfordernde Nachfolgesuche im Handwerk: „Gründen muss attraktiver werden“

Fast jeder fünfte Betrieb im Gebiet der Handwerkskammer Ulm steht altersbedingt zur Übergabe an – Versorgungslücke droht – Anreize für Existenzgründung und Betriebsnachfolge gefordert

Rund 3.800 der über 20.000 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee stehen in den nächsten Jahren altersbedingt zur Betriebsübergabe an – das sind mehr als 18 Prozent aller Betriebe im Ulmer Kammergebiet. In den kommenden Jahren könnte sich diese Zahl noch weiter erhöhen. Denn viele Inhaberinnen und Inhaber der geburtenstarken Jahrgänge, die nun 60 Jahre oder älter sind, gehen in naher Zukunft in den Ruhestand – und deren Betriebe brauchen dann eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Wird hier niemand gefunden, wirkt sich das direkt auf die regionale Versorgung der Bevölkerung aus. Wenn beispielsweise der örtliche Metzger oder Bäcker schließt oder Handwerksleistungen sich verteuern, spüren das auch die Bürgerinnen und Bürger. Dazu sagt Katja Maier, Präsidentin der Handwerkskammer Ulm: „Wenn Betriebsnachfolgen nicht zustande kommen, dann wird sich das Handwerksangebot weiter verknappen. Dadurch kann eine Versorgungslücke entstehen. Wir brauchen also künftig nicht nur Start-ups mit einer neuen App, sondern auch mutige Gründer und Betriebsnachfolger im Handwerk. Sie sichern die Versorgung und unseren Wohlstand in der Region und sind verlässliche Arbeitgeber.“

Im Ulmer Kammergebiet versorgt ein Handwerksbetrieb derzeit durchschnittlich 74 Einwohner. In den einzelnen Regionen sehen die Zahlen wie folgt aus: Im Landkreis Biberach versorgt ein Betrieb 72 Einwohner, im Bodenseekreis 77, im Landkreis Heidenheim 83, im Ostalbkreis 75, im Kreis Ravensburg 64, im Stadtkreis Ulm 86 und im Alb-Donau-Kreis werden im Schnitt 69 Bürger von einem Betrieb versorgt. Doch die Handwerkerdichte könnte sich insbesondere im ländlichen Raum merklich verringern, wenn sich für eine Vielzahl der zur Übergabe stehenden Betriebe kein passender Nachfolger findet. Hinzu kommt, dass das Interesse an Gründungen und Übernahmen allgemein zurückgeht. So ist die Anzahl der Existenzgründer seit Anfang der Nullerjahre bundesweit um fast zwei Drittel gesunken. Maier weiter: „Wir müssen diesem Trend entgegenwirken, denn die Zahlen bereiten uns Sorgen. Unser Appell richtet sich daher an die Politik: Gründen muss attraktiver werden. Es braucht mehr Anreize und weniger Hindernisse. Dazu müssen etwa die bürokratischen Hürden gesenkt werden, die viele davon abhalten, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.“

Handwerkskammer unterstützt Betriebe
Um potenzielle Übergeber und Übernehmer zusammenzubringen, hat die Handwerkskammer Ulm im Jahr 2015 das Zentrum für Betriebsnachfolge (ZEN) gegründet. Die Erfolgsquote bei vom ZEN vermittelten und begleiteten Betriebsübergaben liegt bei rund 50 Prozent. Eine geregelte Betriebsübergabe dauert erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre. Eine frühzeitige Eintragung in die Betriebsbörse der Handwerkskammer Ulm erhöht die Chance, einen Nachfolger zu finden. Aktuell befinden sich rund 200 Inserate in der regionalen Börse.

Betriebsnachfolger erhalten neben der Beratung und Begleitung durch die Handwerkskammer Ulm auch finanzielle Unterstützung beim Schritt in die Selbstständigkeit. 2020 wurde die Meistergründungsprämie eingeführt, die Jungmeisterinnen und -meistern den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtert. Wer seinen Meisterbrief in der Tasche hat und sich innerhalb von 24 Monaten danach selbstständig macht, erhält eine Startfinanzierung des Landes in Höhe von bis zu 10.000 Euro. Neben der Neugründung werden auch die Übernahme eines bestehenden Betriebes oder die Betriebsbeteiligung gefördert.



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