
Machen wir uns nichts vor: Für Betriebsinhaberinnen und -inhaber im Handwerk waren die Zeiten schon mal rosiger. Zumindest für die meisten von uns. Die derzeitige Situation ist angespannt, das Geschäftsumfeld ist schwierig.
Von einer wirtschaftlichen Erholung sind wir weit entfernt. Hinzu kommen die seit Monaten hohen oder steigenden Energie- und Materialpreise. Jetzt auch noch der teure Sprit – da ist auch der temporäre Tankrabatt nur ein (Öl-) Tropfen auf den heißen Stein. Dieser hohe Kostendruck an mehreren Fronten setzt uns allen ge hörig zu. Die Gesamtsituation könnte, wenn wir es positiv formulieren wollen, besser sein.
Andere würden sagen: Wir fahren unser Land gerade ordentlich gegen die Wand.
In Zeiten, in denen in vielen Auftragsbüchern Flaute herrscht, ist man gut beraten, neue Impulse zu setzen und den Mittelstand zu entlasten. Nicht übermorgen, sondern am besten gestern. Reformen herbeizureden, sich in wochenlangen Debatten zu verheddern, sich im Klein-Klein zu verlieren – damit ist niemandem geholfen.
Die Politik muss jetzt Fakten schaffen. Der von der künftigen grün-schwarzen Landesregierung präsentierte Koalitionsvertrag ist schon mal ein guter erster Schritt.
Das umfangreiche Arbeitspapier zeigt an vielen Stellen, dass die Anliegen unseres regionalen Handwerks ernst genommen wer- den. Das neu benannte Ministerium für Wirtschaft, Handwerk, Arbeit und Tourismus lässt hoffen, dass Themen des Handwerks nun verstärkt verfolgt und umgesetzt werden. Viele unserer zentralen Forderungen wurden von den Grünen und der CDU aufgegriffen: Hierzu zählen insbesondere die Verdopplung der Meisterprämie im Land auf 3.000 Euro sowie die Zusage, den Meistergründungszuschuss zu verlängern. Auch die Reduzierung von Berichts- und Dokumentationspflichten ist ein wichtiges Zeichen.
Dieser geplante Bürokratieabbau kann unsere Betriebe spürbar entlasten. Jetzt müssen den Ankündigungen aber auch Taten folgen.
Alexander Hamler, Elektrotechnikmeister aus Mutlangen und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm