
Die ersten Wochen und Monate im neuen Jahr sind für uns im Handwerk immer auch ein Moment der Einordnung. Und wenn wir auf 2026 blicken, dann tun wir das mit vorsichtigem Optimismus. Viele Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee stehen weiterhin solide da. Die Geschäftslage ist in großen Teilen stabil, Personal wird gehalten. Gerade im Vergleich zu anderen Branchen zeigt sich erneut: Unser Handwerk ist krisenfest. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Gleichzeitig bleiben die Herausforderungen groß. Hohe Energiepreise, steigende Sozialabgaben und viel Bürokratie belasten unsere Betriebe spürbar. Hier braucht es Entlastungen und vor allem Verlässlichkeit. Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit, um investieren und ausbilden zu können. Das ist eine klare Aufgabe für die Politik.
Ein zentrales Thema bleibt der Fachkräftebedarf. Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr machen Mut. Rund 2.850 junge Menschen haben sich für eine Ausbildung im regionalen Handwerk entschieden. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr. Mehr als jeder vierte Auszubildende kommt aus dem Ausland. Das zeigt, wie vielfältig und offen unser Handwerk ist. Diese jungen Menschen sind keine Statistik, sie sind die Fachkräfte von morgen – die wir alle dringend benötigen.
Trotzdem gibt es in unserer Region weiterhin über 350 offene Lehrstellen. Und viele Betriebe suchen seit Jahren Nachwuchs. Deshalb gilt auch weiterhin die Devise: Ausruhen geht nicht. Unsere Betriebe sind vor Ort verwurzelt. Nutzen wir das. Zeigen wir jungen Menschen, wie modern, sicher und sinnstiftend eine Ausbildung im Handwerk ist.
Hinzu kommt ein weiteres wichtiges Thema: In Baden-Württemberg steht die Landtagswahl an. Für das Handwerk ist das keine Nebensache. Es geht um die Frage, welche Rahmenbedingungen wir in den kommenden Jahren haben werden. Es geht um Fachkräftesicherung, um Entlastungen, um die Attraktivität von Ausbildung, Meisterbrief und Gründung. Das Handwerk braucht eine Politik, die zuhört und dann aber auch handelt.
2026 wird damit ein Jahr der Weichenstellungen. Unser Handwerk ist bereit. Jetzt kommt es darauf an, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
Michael Bucher, Schreinermeister aus Bad Waldsee im Kreis Ravensburg und Vizepräsident der Handwerkskammer Ulm.