Winterblues

Die Stimmung im Handwerk ist derzeit passend zum Wetter frostig.

Die Stimmung im Handwerk ist derzeit passend zum Wetter frostig. Denn die Zahlen aus dem letzten Quartal des vergangenen Jahres lügen nicht. Die Geschäftslage in den Betrieben der Region hat sich vielerorts verschlechtert. Jeder fünfte Handwerkschef berichtet von schlecht laufenden Geschäften. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Kein Grund zur Panikmache, aber trotzdem alarmierend. Auftragsflaute, rückläufige Umsätze, geringe Auslastung – und das zusätzlich zu den ohnehin hohen laufenden Kosten für Energie, Material und Personal: eine unangenehme Mischung. Eine Mischung, die mittelfristig auch Auswirkungen auf die Beschäftigten haben wird. Denn wo keine Kundenaufträge, da auch kein Personalbedarf, um die Aufträge abzuarbeiten. Dass die Zahl der Beschäftigten bereits zurückgeht, sehen wir in der jüngsten Konjunkturumfrage. Mehr als jeder zehnte Befragte hat aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation zum Jahreswechsel Mitarbeitende abgebaut, noch mehr Inhaberinnen und Inhaber werden wohl in den kommenden Monaten weiteres Personal reduzieren müssen. Der Blick nach vorne gibt leider insgesamt wenig Grund zur Hoffnung. Zu hoch sind die Belastungen für unsere Betriebe, zu vielschichtig die Herausforderungen. Ein Aufschwung ist noch nicht in Sicht. Stattdessen macht sich Pessimismus breit. Deutlich mehr Handwerkerinnen und Handwerker rechnen mit einer weiteren Verschlechterung statt einer Verbesserung der Lage. Klar ist: Die letzten Jahre waren eher von Stillstand geprägt, jetzt durchlebt unsere Wirtschaft erstmals wieder eine spürbare Delle. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir sind weiterhin krisensicher, davon bin ich fest überzeugt. Der Winter ist immer hart – in diesem Jahr eben noch etwas härter. Was hilft bei Kälte und Frost? Wärmende Worte der Politik jedenfalls nicht. Wir brauchen jetzt konkrete Maßnahmen, die uns aus dem Winterschlaf holen. Das muss langsam auch in Berlin und Stuttgart ankommen. Unsere Resilienz ist langsam erschöpft – wir brauchen bessere Rahmenbedingungen und spürbare Entlastungen. Dann gibt es in Zukunft auch wieder Frühlingsgefühle statt Winterblues

Uwe Wöhrle, Elektroinstallateurmeister aus Oberdischingen und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm.

Dieser Kommentar ist erschienen in der DHZ-Ausgabe 4-2026.



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