Hand aufs Herz: Was ist die größte Herausforderung in unserem Handwerk?

Zumindest mittel- bis langfristig ist es wohl der sich verschärfende Fachkräftebedarf. Hier sind sich die meisten Betriebsinhaberinnen und -inhaber zwischen Ostalb und Bodensee einig.
Der fehlende Nachwuchs an qualifiziertem Personal bleibt das Thema der Zukunft. Machen wir uns nichts vor, auch im Ulmer Kammergebiet stagnieren die Azubi-Zahlen seit Jahren – ein spürbares Plus ist nicht in Sicht, viele Betriebe in der Umgebung haben offene Stellen. Das hat wie so oft verschiedene Gründe. Viele Jugendliche gehen direkt nach der Schule lieber studieren oder jobben, statt eine handwerkliche Lehre zu beginnen. Hinzu kommt der demografische Wandel: Es gibt generell weniger potenzielle Bewerberinnen und Bewerber, weil die Geburtenraten rückläufig sind. Das wird sich in den kommenden Jahren auch nicht bessern, ganz im Gegenteil. Handwerksbetriebe, die junge Menschen ausbilden wollen, haben es also nicht leicht. Sie müssen erst einmal einen passenden Azubi finden und im zweiten Schritt dann versuchen, ihn langfristig an den Betrieb zu binden. Dazu ist oft viel Überzeugungsarbeit notwendig. Doch die Mühe kann sich durchaus lohnen. Dass die Ausbildung junger Menschen vielen Betrieben aus der Region besonders wichtig ist, zeigt etwa die „TOP-Ausbilder“-Zertifizierung durch unsere Kammer. In diesem Jahr haben 26 neue Ausbildungsbetriebe die Auszeichnung erhalten. Insgesamt sind es sogar mehr als 70 Betriebe, die das Gütesiegel tragen dürfen. Darüber freue ich mich sehr. Denn das ist ein tolles Signal, das die zertifizierten Betriebe damit aussenden. Nämlich, dass qualitativ hochwertige Ausbildungsinhalte in unseren Betrieben eine zentrale Rolle spielen. Handwerkschefs, die in ihren Nachwuchs investieren, sichern damit auch den Fortbestand ihres eigenen Betriebs. Es zahlt sich letztlich immer aus, in junge Menschen zu investieren. „Die Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen.“ Das ist nicht nur ein abgedroschener Spruch. Das ist die Realität. Und der sollte man sich nicht verschließen.
Alexander Petrick, Installateur- und Heizungsbauermeister aus Bad Waldsee und Vizepräsident der Handwerkskammer Ulm.