
2025 war für unser Handwerk ein besonderes Jahr. Wir haben das 125-jährige Bestehen der Handwerkskammer Ulm gefeiert. Ein Jubiläum, das die Stärke, Innovationskraft und den Zusammenhalt unserer Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Gleichzeitig war es ein Jahr, in dem sich gezeigt hat, dass unser Handwerk trotz schwieriger Rahmenbedingungen stabil bleibt.
Wir konnten in unserem Kammergebiet mehr als 2.800 neue Auszubildende gewinnen – so viele wie seit über 20 Jahren nicht mehr. 429 Meisterinnen und Meister haben ihre Prüfungen erfolgreich bestanden. Sie stehen jetzt als hochqualifizierte Fachkräfte bereit, um unsere Region zu versorgen, Betriebe zu übernehmen oder selbst neu zu Gründen. Besonders stolz bin ich auch auf die zweite Gruppe junger Inder, die über unser Projekt der Beschäftigungsbrücke Indien eine handwerkliche Ausbildung in Fleischer- und Bäckerbetrieben begonnen hat. Sie sind dringend benötigte motivierte, engagierte Nachwuchskräfte, die unser Handwerk bereichern.
Doch trotz dieser Erfolge bleibt die Lage herausfordernd. Hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie und der anhaltende Fachkräftebedarf belasten viele unserer Betriebe. Stabilität bedeutet nicht Stillstand. Wir müssen weiter aktiv an der Nachwuchsgewinnung arbeiten, bestehende Teams halten und Betriebsübergaben gut vorbereiten. Fast jeder fünfte Betrieb in unserem Kammergebiet steht in den nächsten Jahren zur Übergabe an. Ohne gut ausgebildete Fachkräfte wäre dies eine große Belastung – nicht nur für die Betriebe, sondern auch für die Versorgung der Menschen in unserer Region.
Für 2026 heißt das: Wir bauen auf unseren Erfolgen auf. Wir werden gezielt junge Menschen für das Handwerk begeistern, die Meisterausbildung weiterhin stärken und Projekte wie die Beschäftigungsbrücke ausbauen. Gleichzeitig fordern wir verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik und haben im Zuge der anstehenden Landtagswahl ein Auge auf die im Wahlkampf gemachten Versprechungen.
Es bleibt viel zu tun, aber unser Handwerk hat gezeigt, dass wir auch in schwierigen Zeiten anpacken, Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten können.
All das werden wir auch im neuen Jahr machen. Bis dahin wünsche ich allen Handwerkerinnen und Handwerkern, ihren Belegschaften und Familien erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Katja Maier, Zimmermeisterin aus Westhausen und Präsidentin der Handwerkskammer Ulm.