
Ein CDU-Bundestagsabgeordneter bringt das Handwerk derzeit mit einem ungewöhnlichen Vorschlag in die Rentendebatte: Wer im Handwerk arbeitet, soll im Alter mehr Rente bekommen als andere Berufsgruppen. Die Idee dahinter ist klar. Handwerkliche Arbeit soll stärker anerkannt werden. Es ist gut, wenn Politik über die Zukunft unseres Handwerks nachdenkt und dessen Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft betont. Trotzdem ist eine pauschale Bevorteilung des Handwerks bei der Rente nur auf den ersten Blick charmant. Sie wäre kaum gerecht und würde neue Verteilungskonflikte schaffen. Was wir brauchen, sind Lösungen, die Leistung anerkennen und Lebensrealitäten berücksichtigen.
Ein sinnvoller Ansatz könnte sein, den Renteneintritt stärker an den tatsächlich geleisteten Berufsjahren auszurichten. Viele Handwerker steigen mit 16 Jahren in den Beruf ein und zahlen deutlich länger ein als Akademiker. Mehr Flexibilität beim Renteneintritt wäre deshalb richtig, aber eben nur ein Baustein. Viel entscheidender ist der Blick aufs Ganze. Die Sozialversicherungssysteme stehen unter Druck. Steigende Beiträge belasten Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen. Gerade im Handwerk spüren wir das täglich. Deshalb braucht es eine umfassende Renten- und Sozialreform, die langfristig trägt und Planungssicherheit schafft. Und noch etwas: Junge Menschen gewinnt man nicht mit Rentenversprechen für das Jahr 2070. Entscheidend sind gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und echte Wertschätzung im Hier und Jetzt. Daran arbeiten unsere Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee jeden Tag. Das Handwerk ist bereit, weiter Verantwortung zu übernehmen. Jetzt ist die Politik gefordert, nicht mit Einzelideen, sondern mit einem tragfähigen Gesamtkonzept für die Zukunft.
Katja Maier, Zimmermeisterin aus Westhausen und Präsidentin der Handwerkskammer Ulm.
Dieser Kommentar ist erschienen in der DHZ-Ausgabe 1/2-2026.