Die Politik muss uns wahrnehmen

Die Zeiten vor großen Wahlen sind immer auch von großen Diskussionen geprägt. Kürzlich wurde etwa eine Wiedereinführung des Karenztages als mögliche Entlastung für die Wirtschaft diskutiert. Es sind Diskussionen, die zeigen: In vielen Branchen macht sich derzeit Unzufriedenheit breit, Unternehmen und Betriebe fordern zunehmend Impulse aus der Politik. Auch wir im Handwerk bringen uns in Stellung. Wir wissen, wer wir sind und was wir können. Wir sind die Wirtschaftsmacht von nebenan. Der Motor des Mittelstands – eine Branche, die allein in unserem Kammergebiet zwischen Ostalb und Bodensee rund 17 Milliarden Euro jährlich umsetzt. Jeder braucht Handwerkerinnen und Handwerker. Denn wir sind systemrelevant. Umso wichtiger ist es, dass die Politik auf uns hört, unsere Anliegen annimmt und in die Gesetzgebung einbringt.

Wir haben zahlreiche konstruktive Vorschläge, wie unser Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich im Interview anführt. Auch mir als Betriebsinhaberin fällt so einiges ein: die „One in, one out“-Regel zum Beispiel. Für jede neue Regel, die kommt, fliegt eine alte raus. Mit einem Augenzwinkern kann ich sagen: Von mir aus auch gerne mehr. Ich hoffe, dass die Parteien mit einem wachen Auge auf unsere Ideen und unseren Input blicken. Auch wenn unser regionales Handwerk in weiten Teilen noch gut dasteht, schauen viele unserer Betriebe momentan eher pessimistisch ins neue Jahr. Die Materialkosten steigen, die Personalkosten schnellen durch zu hohe Sozialbeiträge auch noch weiter nach oben und die Nachfrage war auch schon mal höher. Auch eine starke Säule wie das regionale Handwerk kann durch einen großen Erdrutsch erschüttert werden und das spüren wir aktuell auch. Also ein Appell an die Politik und die Gesellschaft: Nehmt uns wahr und handelt, bevor wir als tragende Säule weiter unter den Gesetzes- und Bürokratielasten bröckeln.

Katja Maier, Zimmerermeisterin und Präsidentin der Handwerkskammer Ulm

Dieser Kommentar ist erschienen in der DHZ-Ausgabe 3-2025.



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