
Fünf Prozent mehr neue Azubis als noch vor einem Jahr – hört sich gut an. Auf den zweiten Blick wird aber klar: Zurücklehnen können wir uns nicht. Denn es gibt immer noch über 500 unbesetzte Lehrstellen – das sind zu viele leere Plätze in den Klassenzimmern der Berufsschulen zwischen Ostalb und Bodensee. Ich möchte gewiss kein Miesepeter sein. Immerhin entscheiden sich mehr Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk. Nur leider bricht uns hinten der Nachwuchs weg. Weniger Schulabgänger heißt weniger potenzielle Lehrlinge. Diesem Trend können wir uns nicht entziehen – und brauchen einen Plan, um dagegen vorzugehen. Denn die Politik wird uns dabei wenig helfen (können). Wie wir das schaffen können?
Erstens: Weitermachen. Wir haben es geschafft, mehr junge Leute vom Handwerk zu überzeugen. Denn wir werben dafür, wir erklären Handwerk und wir zeigen, was wir können. Wir haben uns als echte Alternative zum Königsweg des Studierens aufgebaut. Weiter so!
Zweitens: Unsere Beschäftigungsbrücke ausbauen und ausländische Fachkräfte zu uns bringen. Denn während hier ein Ringen um Talente auf der Tagesordnung steht, ist es in Indien beispielsweise ein Ringen um einen Job. Das ist eine große Chance. Das sind Menschen, die zu uns wollen, die sich integrieren wollen, die hier arbeiten wollen. Und ein größeres Match kann es für mich nicht geben. Denn im Endeffekt ist es für mich zweitrangig, wer mein Auto repariert. Es muss nur jemanden geben, der es fachmännisch tut. Jetzt und auch in zehn Jahren.
Robert Smejkal, Klempnermeister aus Heidenheim und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm.