
Leere Worte oder aufrichtiges Interesse am regionalen Handwerk? Das war die erste Frage, die mir durch den Kopf ging, nachdem ich von Manuel Hagels und Cem Özdemirs Plänen zur Erhöhung der Meisterprämie gehört habe. 3.000 Euro sollen es werden, statt der bisher 1.500 Euro. Dann wäre die Meisterprämie auf einem Niveau mit unseren Nachbarbundesländern Bayern und Hessen – ein deutliches Zeichen der Politik an alle Gesellinnen und Gesellen: Eure Weiterbildung ist uns wichtig. Wir wollen, dass ihr euch weiterbildet. Für mich wäre diese Änderung eine Anerkennung, die zeigt: Das Handwerk ist der Politik wichtig. Die Änderung wäre ebenfalls ein weiterer Schritt in Richtung echter Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Die Änderung würde uns helfen, genügend Nachfolgerinnen und Nachfolger für in naher Zukunft altersbedingt ausscheidende Betriebsinhaber zu finden. Die Änderung ist bisher aber eben auch eines: ein Wahlversprechen.
Ob dieses vollmundige Versprechen dann tatsächlich zu einer Anpassung der Meisterprämie führt – ich bin noch skeptisch, denn:
1. Wieso wird diese Erhöhung nicht einfach bereits jetzt beschlossen? Wir haben eine grün-schwarze Landesregierung. Wir haben die benötigte Mehrheit. Wieso sollten Abgeordnete jetzt anders entscheiden als nach der Landtagswahl?
2. Ich erinnere mich immer wieder an den Wahlkampf vor der Bundestagswahl. Was wurde nicht alles versprochen: Bürokratieabbau, Steuerentlastungen und Investitionen. Richtig viel merke ich davon bisher nicht.
Teils wurde es sogar schlimmer. Stichwort: Stromsteuer. Diese sollte eigentlich für alle Handwerksbetriebe gelten, im Endeffekt fallen einige aber doch wieder durchs Raster. Wir kennen dieses Prozedere seit Jahren: Im Wahlkampf bauen Politiker Luftschlösser. In der Regierung bleiben davon meist nur leere Gerüste. Von vielen versprochenen Maßnahmen werden wenige wirklich umgesetzt. Gerechtfertigt wird das meist unter dem fadenscheinigen Vorwand, nun habe sich ja die Ausgangslage verändert. Schon klar … Wir dürfen beziehungsweise müssen also skeptisch sein.
Trotzdem muss ich sagen, dass es mich freut, dass eine konkrete Maßnahme für das Handwerk von beiden Spitzenkandidaten angesprochen wird. Abgerechnet wird dann, wenn die neue Regierung steht. Und dann, Herr Özdemir und Herr Hagel, hören wir uns wieder – im Namen der über 20.000 Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee.
Günter Gebauer, Elektroinstallateurmeister aus Heiligenberg und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm.