Stabil – aber auf wackligem Fundament

Ein paar gute Zahlen ändern nichts an den schwierigen Rahmenbedingungen.

Wenn ich auf die aktuellen Konjunkturzahlen schaue, kann man fast ein kleines Aufatmen wagen. Die Geschäftslage im Handwerk zwischen Ostalb und Bodensee hat sich leicht verbessert. 58 Prozent der Betriebe in unserem Kammergebiet sprechen von einer guten Lage.

Das zeigt: Unsere Betriebe halten durch und stabilisieren sich.

Aber: Stabilität bedeutet noch keine Sicherheit. Die Lage fühlt sich eher an wie ein Haus auf wackligem Fundament. Ein paar gute Zahlen aus dem Ausbaugewerbe oder dem Kfz-Bereich ändern nichts daran, dass viele Betriebe weiter mit schwierigen Rahmenbedingungen kämpfen. Die Energiepreise sind weiter hoch. Die Bürokratie wächst. Die hohen Sozialabgaben nehmen uns die Luft zum Atmen.

Die meisten Betriebe erwarten im vierten Quartal keine großen Sprünge, aber auch keinen Einbruch. Wer hier im Handwerk arbeitet, weiß: Herbst und Winter sind traditionell schwieriger. Dass ein Viertel der Betriebe ein Auftragsplus erwartet, zeigt verhaltene Zuversicht und den Willen, gestärkt aus der aktuellen Situation zu kommen.

Dazu passt auch, dass neun von zehn Betrieben ihre Beschäftigten halten wollen. Das ist ein klares Zeichen für Zusammenhalt. In unseren über 20.000 Betrieben weiß jeder, wie wichtig jede einzelne Fachkraft ist. Ohne unsere Teams läuft kein Auftrag, keine Baustelle, kein Betrieb.

Diese Stabilität entsteht nicht von selbst. Sie entsteht, weil unsere Betriebe jeden Tag anpacken. Weil wir Verantwortung übernehmen. Nicht, weil die Rahmenbedingungen einfacher geworden sind. Damit unser Fundament stabiler wird, brauchen wir aber auch die politische Unterstützung. Weniger Bürokratie. Verlässliche Energiepreise. Entlastungen, die auch bei kleinen und mittleren Betrieben ankommen. Die Industrie-Brille muss runter: Wir sind der Mittelstand. Der breite Mittelstand, der überall im Land Arbeit und Wohlstand bietet und sichert.

Das Handwerk ist und bleibt ein starker Motor unserer Region. Aber auch der beste Motor braucht Wartung, damit er rund läuft.

Die aktuellen Zahlen zeigen: Wir halten durch. Jetzt ist die Politik am Zug, damit aus Stabilität wieder Aufschwung wird.

Uwe Wöhrle, Elektroinstallateurmeister aus Oberdischingen und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm.

Dieser Kommentar ist erschienen in der DHZ-Ausgabe 20-2025.



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