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21. April 2021

Handwerk betroffen, aber guter Dinge

Herausforderndes erstes Quartal für viele Handwerksbetriebe in der Region – hohe Erwartungshaltung und hoffnungsvoller Blick nach vorne – Fachkräftebedarf ist zurück

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind für das regionale Handwerk im ersten Quartal 2021 spürbar. Die Betriebe zeigen sich aber angesichts der Frühjahrsbelebung hoffnungsvoll, dass die Geschäfte wieder anziehen. Das zeigen die aktuellen Konjunkturdaten der regelmäßigen Quartalsumfrage der Handwerkskammer Ulm. Knapp jeder zweite Befragte (48 Prozent) ist zufrieden mit seiner Geschäftslage, darunter vor allem das Ausbauhandwerk sowie die Handwerke des gewerblichen Bedarfs. Fast 30 Prozent sind dagegen mit ihrem Geschäftsverlauf unzufrieden. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren 68 Prozent mit ihrer Geschäftslage zufrieden, 15 Prozent waren unzufrieden. Die Erwartungshaltung der Betriebe ist nun aber deutlich höher als noch vor einem Jahr. Von einer Verbesserung der Geschäftslage gehen aktuell knapp 42 Prozent der Befragten aus, dieser Wert hat sich nahezu verdoppelt (Vorjahr: 22 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) rechnet – analog Vorjahr – nicht mit einer Veränderung der aktuellen Geschäftsentwicklung. Knapp 7 Prozent der befragten Betriebe befürchten hingegen eine Verschlechterung, im Vergleichsquartal lag der Wert bei 27 Prozent.

Betriebe schauen zuversichtlich in die Zukunft
Die Auftragsentwicklung der regionalen Handwerksbetriebe hat sich im ersten Quartal dieses Jahres zum Vergleichsquartal 2020 insgesamt nicht verbessert: Knapp 30 Prozent berichten von volleren Auftragsbüchern in den Monaten Januar bis März (Vorjahr: 24 Prozent), fast 37 Prozent der Befragten (Vorjahr: 29 Prozent) mussten Auftragseinbußen verkraften. Damit stehen die Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee mit ihrer Auftragslage besser da als der Landesdurchschnitt. Die regionalen Betriebe schauen derzeit mit Zuversicht auf ihre künftige Auftragsentwicklung und sind wesentlich optimistischer als vor einem Jahr. Im kommenden Quartal rechnen die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Ulm mit steigenden Aufträgen und zeigen sich hoffnungsvoll. Ein höheres Auftragsaufkommen erwarten demnach gut 43 Prozent der Befragten (Vorjahr: 28 Prozent). 9 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 33 Prozent) gehen hingegen von geringeren Auftragseingängen aus.

Beschäftigungszuwachs im zweiten Quartal erwartet
Die Kapazitätsauslastung hat im Auftaktquartal 2021 insgesamt unter dem Vorjahresniveau gelegen. Die Anzahl an Betrieben, die über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet sind, ist von 9 auf 10 Prozent gestiegen. Rund 30 Prozent der Betriebe hatten in den letzten drei Monaten eine mittlere bis gute Auslastung (Vorjahr: 40 Prozent) und konnten ihre Produktionskapazitäten zwischen 81 und 100 Prozent nutzen. Der Anteil der Handwerksfirmen, die mit einer Auslastung von bis zu 60 Prozent arbeiten und demnach Kapazitätsfreiräume haben, beträgt allerdings 39 Prozent (Vorjahr: 21 Prozent). „Für Kunden bedeutet dies: Das Handwerk hat Kapazitäten. Also jetzt den Auftrag für das eigene Vorhaben erteilen, für das vor Jahresfrist noch lange Wartezeiten da waren“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Die Beschäftigtenzahl im Handwerk ist in etwa gleichgeblieben: 7 Prozent der Befragten (Vorjahr: 5 Prozent) haben im vergangenen Quartal zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, während 14 Prozent (Vorjahr: 13 Prozent) von Personalrückgängen berichten. Die Handwerksbetriebe möchten im zweiten Quartal 2021 wieder einen positiven Beschäftigungsbeitrag leisten und sind derzeit einstellungsfreudiger als im Vorjahreszeitraum. In den kommenden Wochen wollen fast 13 Prozent der Betriebe neue Mitarbeiter einstellen (Vorjahr: 7 Prozent), während 5 Prozent (Vorjahr: 11 Prozent) damit rechnen, dass sich ihre Belegschaft verkleinern wird. Rund 82 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass ihre Beschäftigtenzahl gleichbleiben wird. „Die Zeiten des Fachkräftebedarfs sind also zurück. Das Handwerk ist ein krisensicherer Arbeitgeber“, so Mehlich.