Steigende Energiepreise belasten regionale Handwerksbetriebe

Wegfall der EEG-Umlage guter erster Schritt – Handwerkskammer Ulm fordert weitere Entlastungen für energieintensive Betriebe

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Die hohen Energiepreise belasten zunehmend das regionale Handwerk zwischen Ostalb und Bodensee – das geht aus einer aktuellen Umfrage des Baden-Württembergischen Handwerkstags hervor. Demnach sind in den vergangenen Jahren die Energieausgaben der Betriebe deutlicher gestiegen als der Umsatz: Während sich die absoluten Energiekosten laut Umfrageergebnissen im Laufe der vergangenen fünf Jahre um mehr als 20 Prozent erhöht haben, ist der Umsatz im gleichen Zeitraum um 17 Prozent gestiegen. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sind hierbei noch nicht berücksichtigt und verschärfen die ohnehin schon angespannte Situation in vielen Handwerksbetrieben zusätzlich. Dass ein immer größerer Teil des Umsatzes ihrer Mitgliedsbetriebe für Energiekosten draufgeht, bereit der Handwerkskammer Ulm Sorgen. Denn damit steht das Handwerk in der Region genauso unter Druck wie größere Industriekonzerne. „Und für die Betriebe gibt es nicht nur die Energiepreise zu stemmen. Die Kosten für Energie bedrohen damit unsere gesunden Betriebe und letztlich auch die Aufträge der Kunden“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Die Handwerkskammer Ulm begrüßt deshalb ausdrücklich den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022. Dadurch werden die momentan sehr hohen Strompreise abgeschwächt und die Stromkunden in Deutschland merklich entlastet. Eine exemplarische Modellrechnung: für einen durchschnittlichen Metzgereibetrieb inklusive Partyservice mit einem jährlichen durchschnittlichen Stromverbrauch von 160.000 kWh bedeutet das eine Ersparnis von knapp 6.000 Euro brutto pro Jahr. „Wir haben uns in den letzten Jahren massiv dafür eingesetzt, die EEG-Umlage auf den Strompreis abzuschaffen. Deshalb ist das jetzt ein guter Entlastungsschritt“, sagt Mehlich. Denn diese Umlage hat einen Großteil der kleinen und mittleren Betriebe jahrelang mit einem immensen Kostenaufwand belastet, während Großunternehmen oft davon befreit worden waren. Die kleinen Betriebe haben dadurch weniger Gewinn gemacht und ihre größeren Konkurrenten mitfinanziert. Ein Beispiel aus dem Handwerk: die knapp 300 Bäckerinnen und Bäcker im Kammergebiet mussten in den vergangenen Jahren durchschnittlich 1,6 Prozent von ihrem Gewinn für die EEG-Umlage zahlen. Dies entspricht dem damaligen Verkaufswert von fast 11.000 Brötchen.

Die abgeschaffte EEG-Umlage wird den Kostenzuwachs in diesem Jahr dennoch nicht vollständig ausgleichen können. Deshalb braucht es hier mehr Unterstützung seitens der Politik, um besonders energieintensive Betriebe wie Bäckereien, Metzgereien, Mühlen, Autohäuser oder Textilreiniger bei den Strom- und Energiekosten zeitnah stärker zu entlasten und einer zeitlich nachgelagerten Insolvenzwelle vorzubeugen.