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9. April 2020

33 Millionen Euro Soforthilfe fürs Handwerk zwischen Ostalb und Bodensee

Kommunale und private Aufträge sind die beste Exitstrategie und sichern Arbeitsplätze

Seit nun zwei Wochen können Handwerksbetriebe mit Liquiditätsengpässen aufgrund der Corona-Krise bei der Handwerkskammer Ulm Soforthilfe-Zuschüsse aus dem Programm des Landes Baden-Württemberg abrufen. 5.545 Handwerker der insgesamt 19.500 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee haben das gemacht. 82 Prozent der Soforthilfeanträge kommen von kleinen Betrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern. 10 Prozent von Betrieben mit bis zu 10 Mitarbeitern und 8 Prozent von Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern. 17 Prozent aller im Land gestellten Anträge auf finanzielle Soforthilfe stammen aus dem Handwerk. Das entspricht dem Verhältnis der Branchenzweige in Baden-Württemberg. Die Handwerkskammer Ulm hat 5.029 Anträge bereits verarbeitet, geprüft und ggf. zur Auszahlung an die L-Bank empfohlen bzw. abgelehnt. 3.259 davon sind bereits der L-Bank zur Zahlung empfohlen worden. Das entspricht einer bearbeiteten und zur Auszahlung empfohlenen Fördersumme von 33 Millionen Euro. Rund 25 Prozent der gestellten Anträge befinden sich noch in Abstimmung und Nachbearbeitung mit den Antragstellern. „Wir arbeiten im E+4-Modus: Geht ein Antrag an einem Tag ein, so benötigen wir im Schnitt vier Tage, um ihn zu prüfen und zur Auszahlung zu empfehlen oder auch abzulehnen. Die Gelder müssen jetzt rasch auf das Konto der vielen Antragsteller in Not fließen. Es soll schnell und unbürokratisch gehen, aber natürlich auch den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Diese Zuschüsse sind schließlich Steuergelder“, betont Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, und fügt an: „Subventionen jeglicher Art können zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Das ist nicht der Sinn dieser Soforthilfen. Deshalb wenden wir die Kriterien des Gesetzgebers genau an. Wer sie nicht erfüllt, kann keine Zuschüsse erhalten.“ Die Handwerkskammer hat dafür seit Mitte März eine eigene Organisation mit mehr als 40 Mitarbeitern aufgebaut. Über die Beratungs-Hotline der Handwerkskammer Ulm erhalten Handwerksbetriebe von Montag bis Samstag von 7 bis 19.30 Uhr ihre Fragen zur Antragsstellung, Möglichkeiten für Hilfskredite, Stundungen der Sozialversicherungsbeiträge oder Kurzarbeit geklärt.  

Kommunale Aufträge gegen den wirtschaftlichen Stillstand

Finanzielle Soforthilfen sind eine Möglichkeit der Politik, die regionale Wirtschaft zu unterstützen. Das regionale Handwerk appelliert an die Gemeinderäte, Bürgermeister und Landräte im Kammergebiet, kommunale Aufträge weiter zu verfolgen und zu vergeben. Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, meint dazu: „Es gibt keinen Grund, Aufträge an die regionalen Handwerksbetriebe zurückzuhalten oder zu verschieben, wenn der Bedarf dazu da ist. Vor ein paar Wochen noch hat sich die öffentliche Hand verzweifelt an uns gewendet, damit Handwerksbetriebe sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen. Warum nicht jetzt diese Corona-bedingte Atempause für Baumaßnahmen in der eigenen Gemeinde nutzen?“ Handwerksbetriebe können so arbeiten, dass sie die Gesundheitsschutz- und Hygienemaßnahmen einhalten. Krimmer: „Gerade die öffentliche Hand kann durch Aufträge jetzt das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben schützen und so weit wie möglich in Gang halten. Das ist nur konsequent und sichert Arbeitsplätze.“ Krimmer wendet sich aber auch an die Privatkunden: „Wir kommen aus einer Zeit mit langen Wartezeiten auf Handwerker. Nutzen Sie die aktuell freien Kapazitäten der Handwerksbetriebe. Es werden wieder andere, Warte-Zeiten kommen.“