Browserwarning
5. Januar 2021

Ausbildungszahlen im Gebiet der Handwerkskammer Ulm besser als erwartet

Am Ende des Jahres nur leichtes Minus bei den neuen Azubis im Handwerk – Anteil der Abiturienten steigt – mehr als 400 Ausbildungsplätze unbesetzt


Im Ausbildungsjahr 2020 haben 3.021 junge Menschen im Gebiet der Handwerkskammer Ulm eine Ausbildung im Handwerk begonnen. Nach sechs Jahren Zuwachs an neuen Auszubildenden in Folge, sind das im Corona-Jahr 153 Azubis weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 4,8 Prozent zum Stand 31. Dezember 2020. Diese jungen Menschen erlernen nun einen Handwerksberuf in einem der 19.500 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee. Sie haben die Chancen erkannt, die ihnen ein Handwerksberuf bietet. Eine handwerkliche Ausbildung als wertvolle Grundlage für ihr Berufsleben sehen auch 444 junge Menschen mit Abitur. Der Abiturientenanteil steigt damit im Krisenjahr auf 14,7 Prozent (Vorjahr 13,7 Prozent) und auch absolut steigt die Zahl gegenüber dem Vorjahr. „Im vergangenen Sommer mussten wir noch mit einem zweistelligen Minus rechnen. Die Aufholjagd der letzten Monate hat sich gelohnt. Der Anstieg der Abiturienten ist für uns eine wichtige Entwicklung, weil wir in unseren Betrieben nicht nur tolle Entwicklungsperspektiven für die jungen Menschen bieten können, sondern auch die Besten für die Führung der Betriebe morgen brauchen“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Die Pandemielage hat den Kontakt zwischen suchenden Jugendlichen und suchenden Handwerksbetrieben merklich erschwert. Berufsorientierung ist für junge Menschen mit dem Unterricht oft ausgefallen. Schülerinnen und Schüler haben keine Praktika absolvieren, keine Berufsmessen besuchen und keine Angebote der Schule wahrnehmen können, um Berufe kennenzulernen. Austausch über Bildungspartnerschaften, an Elternabenden oder Gespräche mit Ausbildungsbotschaftern sind über mehrere Monate ausgefallen. Ein zweiter Aspekt wirkt sichtbar auf den Rückgang der Zahlen in diesem Ausbildungsjahr ein: Geflüchtete haben in den vergangenen Jahren viele unbesetzte Ausbildungsstellen ausgefüllt. Sie sind jetzt zum Teil bereits qualifizierte Fachkräfte und leisten wertvolle Arbeit in den Betrieben und bei den Kunden. In diesem Ausbildungsjahr haben nur noch 176 Geflüchtete im Gebiet der Handwerkskammer Ulm eine Ausbildung begonnen. Das sind deutlich weniger abgeschlossene Ausbildungsverträge als im Vorjahr (2019: 259 Geflüchtete). Auch durch die Corona-Krise verkomplizierte Aus- und Einreisebedingungen sowie bürokratische Vorgaben haben den Start für Migranten in einen Handwerksberuf erschwert. „Gegenwärtig kämpfen wir schon wieder gegen die Pandemie-Einschränkungen, die den Ausbildungsmarkt belasten und jungen Menschen den Einstieg ins Berufsbeleben erschweren. Ich hoffe darauf, dass das vor uns liegende Jahr nicht auch infiziert wird, sonst kann sich der Schaden an der beruflichen Bildung verfestigen“, so Mehlich.

Nach wie vor haben die jungen Menschen großes Interesse an Elektro- und Metallgewerken wie auch an Bau- und Holzgewerken. Unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen finden sich Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker, Anlagenmechaniker, Zimmerer, Maurer und Schreiner. Entgegen der letzten Jahre, und teils auch dem Lockdown geschuldet, verzeichnen hingegen beispielsweise Friseure einen Rückgang bei den neuen Azubis. Derzeit sind im gesamten Gebiet der Handwerkskammer Ulm noch 434 Ausbildungsplätze unbesetzt. „An dieser Zahl sieht man, wie stark unsere Betriebe an Ausbildung interessiert sind. Dort schmerzt jede unbesetzte Ausbildungsstelle“, so Mehlich. Die Suche vieler Handwerksbetriebe fürs neue Lehrjahr läuft bereits. Junge Menschen, die eine Ausbildung im Handwerk beginnen möchten, können sich online im Lehrstellenradar der Handwerkskammer Ulm über freie Ausbildungsplätze in ihrer Nähe informieren (www.lehrstellen-radar.de). Die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Ulm helfen bei Fragen zum Thema Ausbildung gerne weiter und vermitteln Ausbildungsstellen oder Praktika auch direkt.

Ausbildungszahlen im Alb-Donau-Kreis und Stadtkreis Ulm
Im Alb-Donau-Kreis haben sich 397 junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Dies entspricht einem Minus von 8,3 Prozent. Im Stadtkreis Ulm waren es 296, ein Minus von 7,5 Prozent. „Im Handwerk bekommt jeder eine Chance, die jungen Menschen brauchen sie nur zu ergreifen. Es gibt noch viele freie Lehrstellen. Der Ausbildungswille unserer Betriebe ist trotz vieler Unsicherheiten vorhanden“, sagt Thomas Jung, Geschäftsführer der dortigen Kreishandwerkerschaft, und ergänzt: „Handwerksbetriebe sind krisensichere Arbeitgeber. Das hat die Krise gezeigt. Für die jungen Leute ist eine Lehre im Handwerk eine wunderbare Alternative, egal ob mit oder ohne Abitur. Wir sind zuversichtlich, dass die Ausbildungszahlen 2021 wieder Fahrt aufnehmen.“ In den Handwerksbetrieben im Alb-Donau-Kreis sind aktuell 58 Lehrstellen unbesetzt, im Stadtkreis Ulm 32.


Ausbildungszahlen zum 31. Dezember 2020 nach Landkreis:

Kammergebiet gesamt: 3.021 Auszubildende (Vorjahr: 3.174)
Abiturientenanteil: 14,7 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 434

Ostalbkreis: 606 Auszubildende (636)
Abiturientenanteil: 12,1 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 91

Landkreis Heidenheim: 237 Auszubildende (235)
Abiturientenanteil: 11,8 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 13

Alb-Donau-Kreis: 397 Auszubildende (433)
Abiturientenanteil: 13,6 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 58

Stadtkreis Ulm: 296 Auszubildende (320)
Abiturientenanteil: 15,2 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 32

Landkreis Biberach: 389 Auszubildende (447)
Abiturientenanteil: 13,6 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 75

Landkreis Ravensburg: 743 Auszubildende (720)
Abiturientenanteil: 15,8 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 131

Bodenseekreis: 353 Auszubildende (383)
Abiturientenanteil: 20,7 Prozent
Anzahl der offenen Lehrstellen: 34