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7. Juli 2020

Bis zu 4,5 Millionen Euro nach Ulm für neue, innovative Bildung im Handwerk

Die handwerkliche Bildung von morgen verändern: Handwerkskammer Ulm zimmert neuartigen Kooperationsverbund mit regionalen Hochschulen für Projekt InnoVET – Zuschlag für eines von zwei Projekten in Baden-Württemberg.

Die Handwerkskammer Ulm hat mit ihrem Konzept „Innovative Exzellenzqualifikation Handwerk DQR 4-7“ beim Innovationswettbewerb „Zukunft gestalten – Innovationen für eine exzellente berufliche Bildung“ (kurz InnoVET) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) überzeugt und den Zuschlag bekommen. Es wird als eines von zwei Projekten in Baden-Württemberg und 17 in Deutschland gefördert. Gemeinsam mit den Partnern School of Advanced Professional Studies – gemeinsame Weiterbildungseinrichtung der Universität Ulm und der Technischen Hochschule Ulm – Technische Hochschule Ulm, Hochschule Biberach und Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik hat die Handwerkskammer Ulm eine Konzeption für eine neue und innovative Berufsbildung entwickelt und für die Entwicklung, Erprobung und Umsetzung eine Förderung des BMBF in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro für die Dauer von vier Jahren beantragt. „Wir dürfen jetzt von Ulm aus das berufliche Bildungssystem für Deutschland weiterentwickeln. Das wird uns eine Ehre sein. Die Grenzen von beruflicher und akademischer Bildung werden verschwimmen und wir werden uns aus beidem das Beste heraussuchen“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.  

Zentrum dieser Entwicklung und Erprobung wird in den kommenden vier Jahren das Weiterbildungszentrum für innovative Energietechnologien (WBZU) der Handwerkskammer Ulm am Eselsberg sein. „Auf dem Unicampus, zwischen Helmholtz-Institut und ZSW, strahlt nun auch die berufliche Bildung mit dem WBZU der Handwerkskammer noch heller. Mit der Bundesförderung können wir viel für die Region erreichen”, sagt Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer aus Ulm. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestags. Auf ihre Einladung hin hatte sich auch Bildungsministerin Anja Karliczek im Juli 2019 schon persönlich im WBZU informiert. Das Konzept verfolgt das Ziel, attraktive berufliche Bildungswege für junge Menschen neben akademischen Abschlüssen zu schaffen. So soll die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gestärkt werden. Das Konzept umfasst die Bereiche Digitalisierung, Energiewende, Wirtschaft 4.0 und Berufsbildung 4.0. Es beinhaltet zum Beispiel Smart Home oder virtuelles Lernen. „Mit der Förderung können unsere Handwerksberufe in hohen Qualifikationsstufen wie dem Meister gestärkt und klassische Berufsgrenzen überschritten werden. Wir schaffen neue, moderne Qualifikations- und Bildungsprofile, die auch den steigenden Anforderungen der Kunden gerecht werden“, sagt Dr. Tobias Mehlich. Denn der digitale und technologische Wandel zieht sich auch durch die Aus- und Weiterbildung im Handwerk. Es gilt, die Fachkräfte für morgen stark zu machen. Damit wird auch gleichzeitig der Nachwuchs gesichert, denn die Attraktivität des beruflichen Karrierewegs und des Handwerks nimmt durch gesteigerte Weiterbildungsmöglichkeiten zu. Zum Beispiel kann ein Abiturient eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik machen und fachpraktische Inhalte zur Vorbereitung auf den Bachelor Professional erhalten. Während des eineinhalbjährigen Bachelor Professionals erhält er eine Fortbildung im Bereich Intelligente Gebäudetechnik und Systemvernetzung sowie eine Meistervorbereitung für Elektrotechnik. Danach kann er nach zwei Jahren aufsteigen zum Master Professional.  

Die Vertreter der Hochschulen, Prof. Dr.-Ing. Hermann Schumacher, Leiter School of Advanced Professional Studies (SAPS) der Universität Ulm und der Technischen Hochschule Ulm (THU), Prof. Dr. Reinhold von Schwerin, Prodekan der Informatik der THU und stellvertretender Direktor der SAPS und Prof. Dr. Martin Becker, Prorektor für Forschung und Transfer der Hochschule Biberach, sind sich einig: „Wir sehen die Verzahnung der handwerklich-beruflichen und akademischen Bildung zugleich als große Chance und Herausforderung. Digitalisierung und Datenkompetenz werden auch im Handwerk in Zukunft verstärkt benötigt, dafür brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte. Wir bringen unsere Expertise in der wissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung in diesen Themenfeldern ein und ermöglichen durch die Entwicklung eines zukunftsfähigen und übertragbaren didaktischen Konzepts neue Lehr- und Lernmöglichkeiten für die Weiterbildung im Handwerk.“  

Gunter Czisch, Oberbürgermeister Stadt Ulm und Heiner Scheffold, Landrat Alb-Donau-Kreis, beide ebenfalls Kooperationspartner mit ihren beruflichen Schulen, betonen: „Von Ulm aus verändern wir die berufliche Bildung von morgen. Die regionalen Handwerksbetriebe brauchen vernetzt denkende, ausgebildete Fachkräfte, um die Versorgung in unserer Region aufrecht zu erhalten. Die Jugendlichen erwarten Karrieremöglichkeiten, wenn sie einen Handwerksberuf ergreifen. Das Konzept bündelt die Kompetenzen so, dass sie den zukünftigen Fachkräften im Handwerk die besten Zukunftschancen zu geben.“