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19. Oktober 2020

Handwerk geht hoffnungsvoll durch die Krise

Erwartungshaltung der Betriebe zur Geschäftslage bewegt sich Richtung Vorjahr – regionale Auftragslage holt auf – “Wir sind trotzdem noch nicht über den Berg”

 Die Auswirkungen der Corona-Krise sind für das regionale Handwerk auch im dritten Quartal 2020 noch spürbar, die Betriebe zeigen sich aber hoffnungsvoll. Das zeigen die aktuellen Konjunkturdaten der regelmäßigen Quartalsumfrage der Handwerkskammer Ulm. Mehr als jeder zweite Befragte (56 Prozent) ist zufrieden mit seiner Geschäftslage, darunter vor allem das Bauhauptgewerbe, das Ausbauhandwerk und die Gesundheitshandwerke. 18,5 Prozent sind dagegen mit ihrem Geschäftsverlauf unzufrieden. Zum Vergleich: Vor einem Jahr auf dem absoluten Hoch der Konjunkturverläufe waren drei von vier Betrieben (75 Prozent) mit ihrer Geschäftslage zufrieden, 6 Prozent waren unzufrieden. Die Erwartungshaltung der Betriebe ist aber mittlerweile wieder ähnlich wie vor einem Jahr. Von einer Verbesserung der Geschäftslage geht fast jeder Vierte der Befragten aus (23 Prozent, Vorjahr: 24 Prozent), während 66 Prozent (Vorjahr: 67 Prozent) nicht mit einer Veränderung der aktuellen Geschäftsentwicklung rechnen. Mit Sorgen schauen dagegen 12 Prozent der Betriebe in die Zukunft (Vorjahr: 9 Prozent). Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm: „Wir dürfen uns über diese Aufhellung freuen. Aber: Die Krise kann im Handwerk zeitverzögert ankommen. Die spannende Zeit kommt erst noch, wenn laufende Projekte abgearbeitet sind und Folgeaufträge kommen oder nicht. Wir sind noch nicht über den Berg.“  

Auftragslage höher als im Vergleichsquartal

Erfreulich ist, dass die Auftragsentwicklung der regionalen Handwerksbetriebe im dritten Quartal 2020 etwas höher als im Vergleichsquartal 2019 ist. Über vollere Auftragsbücher freut sich derzeit jeder dritte Befragte (34 Prozent, Vorjahr: 26 Prozent). Damit liegen die Betriebe in ihrer Auftragslage zwischen Ostalb und Bodensee über dem Landesdurchschnitt (31 Prozent). Jeder vierte Betrieb (24 Prozent) gibt allerdings auch Auftragseinbußen an (Vorjahr: 17 Prozent). Im kommenden Quartal rechnen die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Ulm durchaus mit steigenden Aufträgen, jedoch in geringerem Umfang als vor einem Jahr. Damit zeigen sich die Betriebe in der Region hoffnungsvoll. Ein höheres Auftragsaufkommen erwartet jeder vierte Befragte (26 Prozent, Vorjahr: 29 Prozent). Jeder fünfte Betrieb (20 Prozent, Vorjahr: 15 Prozent) befürchtet ein geringeres Auftragsaufkommen. Mehlich: „Jetzt ist die Zeit für öffentliche und private Aufträge. Das ist das beste Konjunkturprogramm. Aufträge sind für alle besser als Zuschüsse.“  

Trotz Krise erhöht sich Beschäftigtenanzahl

Trotz hoher Auftragslage ist die Kapazitätsauslastung der regionalen Handwerksbetriebe nicht mehr ganz so hoch wie im Vergleichsquartal 2019, dem bisherigen Konjunkturhoch. Die meisten Betriebe (45 Prozent) arbeiten mit einer Auslastung von 81-100 Prozent und liegen damit deutlich über dem Landesdurchschnitt (40 Prozent). Jeder vierte Befragte hat derzeit Kapazitätsfreiräume (24 Prozent; Vorjahr: 8,5 Prozent). Deutlich über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus haben in den letzten Wochen nur noch 6,5 Prozent der Betriebe gearbeitet (Vorjahr: 19 Prozent). In diesen Betrieben sind nach wie vor fehlende Fachkräfte die Bremse und gesucht. Trotz Krise hat sich die Beschäftigtenzahl im Handwerk im letzten Vierteljahr erneut erhöht: 12 Prozent der Befragten haben zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, während 8 Prozent von Personalrückgängen berichteten. Die Krise hat also weiterhin keinen Einfluss auf die handwerklichen Beschäftigungsverhältnisse. Im nächsten Quartal wird es aber voraussichtlich keinen Beschäftigungszuwachs im regionalen Handwerk geben, was auch der Jahreszeit geschuldet ist. 84 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass ihre Beschäftigtenzahl gleich bleiben wird. Der Rest versucht in gleichem Maß auf- und abzubauen. Das Handwerk zeigt sich also weiterhin als sicherer und suchender Arbeitgeber.