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3. Juli 2020

Weiter krisensichere Jobs im Handwerk

Konjunkturumfrage im Handwerk zeigt: Geschäftslage unter Vorjahresniveau – Gute Prognose für weiteren Jahresverlauf – Handwerksbetriebe für Fachkräfte weiter offen

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben viele Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee im zweiten Quartal 2020 spürbar getroffen. Die Stimmung in den Handwerksbetrieben war in den Monaten April bis Juni entsprechend gedrückt. Das zeigen die aktuellen Konjunkturdaten der regelmäßigen Quartalsumfrage. Rund 47 Prozent der befragten Handwerksbetriebe sind danach mit ihrer Geschäftslage zufrieden, knapp 27 Prozent berichten hingegen von einer schlechten Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal des Vorjahres stellten 79 Prozent ihrer Geschäftslage ein gutes Zeugnis aus, während gut drei Prozent mit ihrem Geschäftsverlauf unzufrieden waren. Es herrscht aber wieder mehr Zuversicht im Handwerk, die Prognosen sind nun besser als noch vor einigen Wochen. So rechnen rund 30 Prozent der Betriebe im Gebiet der Handwerkskammer in den kommenden Monaten mit einer Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass die aktuellen Geschäftslage in etwa gleicht bleibt, während 15 Prozent eine Verschlechterung befürchten. „Die Schere zwischen den Geschäftslagen der Betriebe geht weit auseinander. Die schwierigen Zahlen steigen, aber wir haben eben immer noch mehr Betriebe, die gut beschäftigt und optimistisch sind“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Alle Handwerksgruppen beurteilen ihre Geschäftslage insgesamt nicht mehr so gut wie vor einem Jahr. Auch in der Krise erweist sich die Baubranche als wichtige Konjunkturstütze. So haben im zweiten Quartal dieses Jahres allein das Bauhauptgewerbe, das Ausbauhandwerk und der Gewerbliche Bedarf ein positives Ergebnis erzielt. Allerdings gab auch in diesen Bereichen der Geschäftslagenindex spürbar nach. Am wenigsten – um 23 Punkte – musste das Ausbauhandwerk sein Vorjahresergebnis nach unten korrigieren (plus 69 Punkte; Vorjahr: plus 92 Punkte). Beim Bauhauptgewerbe gab der Index um 25 Punkte nach (plus 64 Punkte; Vorjahr: plus 89 Punkte). Beim Gewerblichen Bedarf ging der Wert um 56 Punkte zurück (plus zwei Punkte; Vorjahr: plus 58 Punkte). Die Werte der Branchen Gesundheit, Dienstleistung und Kfz-Gewerbe sind verglichen mit dem Geschäftslagenindex von 2019 hingegen alle deutlich zurückgegangen. Bei der Gesundheitsbranche gab der Wert um 94 Zähler nach (minus 35 Punkte; Vorjahr: plus 59 Punkte), bei der Dienstleistungsbranche um 96 Zähler (minus 39 Punkte; Vorjahr: plus 57 Punkte) und beim Kfz-Gewerbe um 117 Zähler (minus 32 Punkte; Vorjahr: plus 85 Punkte).

Aufträge im regionalen Handwerk gehen zurück
Der Blick in die Auftragsbücher trübt die Grundstimmung im Handwerk: Im zweiten Quartal 2020 sind die Aufträge der Handwerksbetriebe insgesamt zurückgegangen. So melden für die letzten Monate rund 21 Prozent der Befragten vollere Auftragsbücher (Vorjahr: 40 Prozent), während 43 Prozent (Vorjahr: 14 Prozent) von Auftragseinbußen berichten. Das ist jeweils eine deutliche Verschlechterung zum Vergleichsquartal 2019. Als einzige Branche erzielt das Bauhauptgewerbe mit plus acht Prozentpunkten einen positiven Auftragssaldo (Vorjahr: plus 36 Prozentpunkte). In die Zukunft blicken die regionalen Handwerksbetriebe trotzdem positiv: 32 Prozent der Befragten, also fast jeder Dritte, rechnen mit höheren Auftragseingängen in den kommenden Monaten – vor einem Jahr lag der Wert bei 35 Prozent. Auf ein geringeres Auftragsaufkommen stellen sich dagegen 17 Prozent der Handwerker ein (Vorjahr: zehn Prozent). „Die Zeit der langweiligen Meldungen, des immer höher und immer weiter sind in der Breite der Betriebe erst einmal vorbei. Es wird einige Jahre dauern, bis wir wieder auf den bisherigen Niveaus sind“, so Mehlich.

Fachkräftebedarf besteht weiter
Die verhaltene Auftragslage spiegelte sich in den vergangenen Wochen auch in der Auslastung der Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee wider. Für das zweite Quartal 2020 melden neun Prozent der Betriebe eine Kapazitätsauslastung von über 100 Prozent (Vorjahr: 15 Prozent). Eine Auslastung von 81 bis 100 Prozent melden 34 Prozent der Befragten (Vorjahr: 46 Prozent). Rund 35 Prozent der Befragten berichten, noch große Kapazitätsfreiräume zu haben (Vorjahr: 11 Prozent). Trotz Krise hat sich die Beschäftigtenzahl im Handwerk im letzten Vierteljahr erhöht: Im zweiten Quartal 2020 haben 14 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk Ulm neue Mitarbeiter eingestellt, bei elf Prozent der Befragten hat sich die Zahl der Mitarbeiter verringert. In den kommenden Monaten könnte die Beschäftigung in den regionalen Betrieben des Handwerks also weiter steigen: Demnach planen elf Prozent der Handwerksbetriebe, in den nächsten Wochen neue Mitarbeiter einzustellen. Sieben Prozent der Befragten gehen hingegen davon aus, dass sich ihre Belegschaft verkleinern wird. Mehlich weiter: „Für manchen Betrieb im Handwerk wird sich der Arbeitsmarkt jetzt verbessern und er wird Einstellungen machen können, die vorher schwieriger gewesen wären. Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten im Handwerk.“