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31. Januar 2020

Starkes Handwerk nimmt Herausforderungen an

Betriebe im Gebiet der Handwerkskammer Ulm gehen optimistisch ins Jahr 2020.

 Mehr als 70 Prozent der Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee sprechen von einer guten oder sehr guten Auslastung und fast 85 Prozent erwarten eine weiterhin gute oder verbesserte Geschäftslage – auf dem ohnehin hohen Niveau. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage in Handwerksbetrieben im Kammergebiet. Damit sind die Betriebe in der Region optimistischer als im Durchschnitt des Landes Baden-Württemberg. „Das Handwerk ist Stimmungsaufheller der deutschen Wirtschaft“, fasst Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, die solide Konjunktur im Handwerk zusammen. Zugpferde sind der private Konsum und die Bautätigkeit. Der Kunde spürt die Wichtigkeit der Handwerkerleistungen zurzeit noch an Wartezeiten bei seinen Aufträgen, je nach Gewerk unterschiedlich. „Das ist selbst erzeugte Knappheit, die durch schwierige bildungspolitische Entscheidungen der letzten Jahre entstanden ist“, sagt Krimmer.  

Er betont aber auch, dass Politik und Gesellschaft im vergangenen Jahr mehr und mehr nachvollzogen haben, wie wichtig das Handwerk für sie ist. Dies würde beispielsweise dadurch deutlich, dass in zwölf Gewerken die Meisterpflicht wieder eingeführt worden ist. Außerdem hat das Land Baden-Württemberg eine Meisterprämie in Höhe von 1.500 Euro bei erfolgreich bestandener Prüfung eingeführt und fördert Gründungen von Handwerksmeistern finanziell. Weil sich Handwerksmeister künftig international verständlich ‚Bachelor Professional‘ nennen dürfen, wird jetzt auch namentlich deutlich, dass Meister und Bachelor auf einer Bildungsstufe stehen im Europäischen Qualifikationsrahmen. Durch die Reform des Aufstiegs-Bafög werden berufliche Weiterbildungen künftig finanziell mehr unterstützt. „Diese Maßnahmen sind richtig und wichtig. Doch die berufliche Bildung erfährt immer noch Benachteiligungen, wie beispielsweise bei ÖPNV-Ticketpreisen, an der Kinokasse oder im Theater. Auch bei den Beitragssätzen in die Sozialkassen werden Unterschiede gemacht“, sagt Krimmer.  

Die Handwerksbetriebe im Kammergebiet freuen sich über das sechste Plus in Folge bei den Ausbildungszahlen. Erneut haben sich in 2019 mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Gleichzeitig sind noch 600 Lehrstellen unbesetzt geblieben. Im Vorjahr waren es 1.000 in den sechs Landkreisen und der Stadt Ulm. Fachkräfte auszubilden und im Handwerk zu halten bleibt also eine große Herausforderung für die Handwerksbetriebe. Daneben gilt es, mit der Kommunalpolitik nicht nur zu den genannten Benachteiligungen ins Gespräch zu kommen, sondern auch in Bezug auf die Reform der Grundsteuer. Die Auswirkungen dieser anstehenden Reform auf die kleinen und mittelständischen Handwerksunternehmen sind noch offen. Für die Kommunen ist die Grundsteuer eine wichtige Einnahmequelle, für die Handwerksbetriebe eine Kostenlast in gesamtwirtschaftlich derzeit schwierigem Umfeld. „Wir wünschen uns für Baden-Württemberg das unbürokratischere Flächenmodell. Die Grundsteuer-Reform darf nicht dazu führen, dass die Steuerlast für uns Betriebe mal eben steigt, um Löcher in den kommunalen Haushalten zu stopfen. Das wäre dann eine ungute und kurzsichtige Lösung. Kommunen profitieren von gesunden Handwerksbetrieben“, stellt Krimmer fest.