Robustes Handwerk

Machen wir uns nichts vor: Auch wenn nach der Pandemie jetzt im Sommer wieder ein Stück Normalität zurückkehrt, sind die Zeiten für viele unserer Betriebe nach wie vor herausfordernd. Lieferengpässe, hohe Energiekosten, Fachkräftemangel und ausufernde Bürokratiebelastungen machen ihnen im Arbeitsalltag weiterhin zu schaffen. Trotzdem gibt es gute Nachrichten: Die Insolvenzquote im Ulmer Kammergebiet ist auch im vergangenen Jahr stabil geblieben. Trotz aller krisenbedingter Belastungen. Damit unsere Betriebe weiterhin Kundenaufträge abarbeiten können, brauchen sie aber die richtigen Rahmenbedingungen. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass ein Handwerker mittlerweile mehr Zeit am Schreibtisch verbringt als bei seinen Kunden. Das ist frustrierend. Und wenig zielführend. Im Gegenteil: Unsere Betriebe kostet das nur Zeit und Geld. Außerdem verschärft unnötige Bürokratie den Fachkräftemangel. Denn wenn eine Fachkraft damit beschäftigt ist Formulare auszufüllen, kann sie in dieser Zeit keine Handwerksleistungen erbringen. Wir brauchen endlich das Entlastungsgesetz, dass uns die Ampel-Regierung versprochen hat. Unsere Betriebe müssen aber auch in anderen Bereichen entlastet werden. Etwa im Hinblick auf den Industriestrompreis. Nur große Industrieunternehmen sollen von diesem vergünstigten Stromtarif profitieren. Keine regionalen Handwerksbetriebe. Weshalb das so ist, wird nicht kommuniziert. Zum wiederholten Mal hat man unsere Betriebe vergessen oder schlicht ignoriert. Das war schon bei der EEG-Umlage der Fall. Und auch bei den Härtefallhilfen im vergangenen Jahr. Das ist nicht gerecht. Denn: Unsere Region braucht das Handwerk. Unsere Betriebe sichern den Wohlstand und die Versorgung vor Ort. Unsere Betriebe sind wichtige Arbeitgeber und Ausbilder. Sie arbeiten an der Klimawende mit und bringen Transformationsprozesse voran. Vielleicht sollte sich die Politik das bei ihren Entscheidungen mal wieder ins Gedächtnis rufen.


Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm.

Dieser Kommentar ist erschienen in der DHZ-Ausgabe 11-2023.

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