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1. Dezember 2017

Die Tür zum Handwerk steht für alle offen

Erster Geselle mit Flüchtlingshintergrund schließt im Ulmer Kammergebiet seine Handwerksausbildung ab

Ahmad Haidari hat Ende Juli 2017 als erster Geselle im Kammergebiet seine Gesellenprüfung im Bäckerhandwerk abgelegt. Haidari kam 2013 nach Schwäbisch Gmünd und begann dort eine Ausbildung bei der Bäckerei Stemke. Bäckermeister und anleitender Ausbilder Frank Stemke ist mit seinem Gesellen mehr als zufrieden: „Ahmad Haidari ist motiviert, absolut pünktlich und hat Spaß an seiner Arbeit.“

Ewald Wasner, der als Willkommenslotse bei der Handwerkskammer Ulm die Betriebe bei der Integration von Flüchtlingen betreut, kennt viele Erfolgsgeschichten aus der Kammergebiet: Vom Bodensee bis Schwäbisch Gmünd gebe es immer mehr Betriebe, die die Chance ergreifen und Menschen mit Flüchtlingshintergrund einstellen. So habe beispielsweise die Firma Dalheimer aus Rottenacker im Alb-Donau Kreis vier sehr engagierte Mitarbeiter mit Flüchtlingshintergrund. Für Betriebsleiterin Petra Dalheimer ist es zentral, dass ihre Fachkräfte gute Sprachkenntnisse haben. Das sei das A und O für die Ausbildung in ihrem Betrieb. Ein Mitarbeiter aus Gambia mache aktuell eine Ausbildung als Metallbauer, ein zweiter, der aus Eritrea nach Deutschland kam, ist Lehrling als Feinwerkmechaniker. Genauso positive Erfahrungen hat Friseurmeisterin Simone Herrmann aus Ravensburg gemacht. Ihr Praktikant, der aus Afghanistan stammt, und seine Einstiegsqualifikation erfolgreich abgeschlossen hat, konnte nun im Oktober 2017 seine Ausbildung als Friseur beginnen.

Für Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm beweisen diese Erfolgsbeispiele einmal mehr, dass Arbeit der Schlüssel zur Integration ist: „Unsere Betriebe zeigen im gesamten Kammergebiet über alle Gewerke hinweg außerordentliches Engagement und bieten den Menschen eine gute berufliche Perspektive. Sie tun das auch, weil wir die Fachkräfte im Handwerk brauchen“, so Mehlich. Von ausgebildeten Flüchtlingen profitiere der Betrieb, bald der Kunde und somit das Land und das gesamte Steuer-, Abgaben- und Gesellschaftssystem. Mehlich hat deshalb eine klare Forderung an die Politik: „Flüchtlinge, die in Ausbildung sind, müssen vor einer Abschiebung geschützt sein. Damit sich das Engagement der Betriebe lohnt, muss die 2+3 Regelung greifen. Unsere Handwerksbetriebe brauchen Planungssicherheit“, so Mehlich.

Die guten Vermittlungserfolge mit 182 Geflüchteten allein im Jahr 2017 gäben noch mehr Zuversicht für die Zukunft. Das Interesse bei den Ausbildungsbetrieben sei trotz mancher Unabwägbarkeiten klar vorhanden. Insbesondere in den Bereichen Elektro, Nahrung und im Bau-Bereich steige die Nachfrage der Betriebe, um den Fachkräftebedarf zu decken. Im Hinblick auf die Anzahl der offenen Stellen gebe es weiter für alle Jugendlichen noch genügend Chancen auf eine Ausbildung – unabhängig vom Alter, Geschlecht oder der Herkunft. Mehlich: „Die Flüchtlinge nehmen übrigens niemanden einen Ausbildungsplatz weg. Wir haben über 900 Ausbildungsplätze in den Handwerksbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee zur Verfügung.

Bild: Ahmad Haidari bei seiner Arbeit in der Backstube der Bäckerei Stemke (© Handwerkskammer Ulm)

1. Dezember 2017