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6. Dezember 2017

Handwerk will Schwarzarbeit eindämmen

Vollversammlung der Handwerkskammer Ulm fordert zum politischen Handeln gegen Schwarzarbeit auf

Um die Verstöße gegen das Handwerksrecht nachhaltig zu reduzieren, nimmt das Handwerk zwischen Jagst und Bodensee das Thema Schwarzarbeit in Angriff. Die Vollversammlung der Handwerkskammer Ulm hat in ihrer vergangenen Sitzung eine klare Positionierung der Koalitionäre und die Hochstufung von Schwarzarbeit zur Straftat gefordert. Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich: „Für die gesetzestreuen Handwerksbetriebe führt Schwarzarbeit zu Wettbewerbsverzerrungen – dem Staat fehlen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge in Milliardenhöhe und für die Beschäftigten führt die Schwarzarbeit zu prekären Lebensverhältnissen.“ Bundesweit bräuchten die Handwerkskammern, laut Mehlich, mehr Befugnisse, die Schwarzarbeit zu bekämpfen. Das Handwerk stehe für hohe Qualitätsstandards, gute Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse und einen fairen Leistungswettbewerb. Dieser Beitrag des Handwerks zu Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung dürfe nicht durch Fehlentwicklungen gefährdet werden. Mehlich: “Unsere Betriebe erwarten unsere Aktivität und die Aktivität der Kontrollorgane bei dem Thema. Aber als Kammer hat man uns vor Jahren die Befugnisse genommen.“

Azubi-Zahlen erneut übertroffen

Im Zentrum der Vollversammlung standen zudem die erneut guten Ausbildungszahlen im Bezirk der Handwerkskammer Ulm. Zum Ausbildungsstart 2017 haben 3099 Azubis eine Lehre im Ulmer Kammergebiet begonnen. Zum vierten Mal in Folge haben sich damit, entgegen dem Trend, mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Die Vollversammlung ist sich einig, dass das Engagement der Handwerkskammer im Bereich der Nachwuchswerbung durch Bildungspartnerschaften, Ausbildungsbotschafter und eine passgenaue Vermittlung von Azubis in Betriebe hinein fortgeführt werden soll. Die Kooperationen im Bildungsbereich sollen ausgebaut und die Überbetriebliche Ausbildung an allen Standorten im Gebiet der Handwerkskammer Ulm gestärkt werden. Auch bei der Integration von Flüchtlingen zeigt das Handwerk großes Engagement. So haben zum Stichtag 31. Oktober 2017 182 Menschen mit Flüchtlingshintergrund eine Ausbildung begonnen.

Insgesamt sind im Kammergebiet zwischen Ostalb und Bodensee somit im ersten oder zweiten Lehrjahr 270 Flüchtlinge in einer Handwerkslehre. Damit die Handwerksbetriebe zwischen Jagst und Bodensee auch in Zukunft Lehrlinge finden, weist Präsident Joachim Krimmer auf die Notwendigkeit des Berufsbildungspakts hin. „Wir brauchen einen Pakt aller politischen Ebenen, in dem eine gleichwertige finanzielle Ausstattung und Wahrnehmung der beruflichen Bildung vereinbart wird. Dann ist das Handwerk auch in Zukunft für junge Menschen attraktiv und kann die Versorgung unserer Bevölkerung in der Fläche leisten“, so Krimmer. Die Vollversammlung stellte auch die Weichen für eine neue Unterstützungsleistung zugunsten der Betriebe, einen Berater für Personalentwicklung. Hauptgeschäftsführer Mehlich: „Es gelingt uns also junge Menschen für einen Karrierestart im Handwerk zu gewinnen. Unser nächster Schritt wird sein, unsere Betriebe dabei zu unterstützen, diese jungen Mitarbeiter auch im Betrieb zu halten und zu binden.“

Ladenöffnungszeiten an Sonntagen sozialverträglich gestalten

In der Diskussion um die Ladenöffnung, unter anderem auch am Sonntag, 24. Dezember, aber auch an immer weiter zunehmenden verkaufsoffenen Sonntagen, bekräftigte die Vollversammlung den verfassungsgemäß geschützten Anspruch der Arbeitnehmer auf einen arbeitsfreien Sonntag. Zur flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung seien Ausnahmen in einzelnen Gewerken sinnvoll und notwendig. Diese seien jedoch zwingend sozialverträglich zu gestalten und zahlenmäßig klar zu begrenzen. Krimmer: „Es kann nicht unser Ziel sein, ununterbrochen an sieben Tagen zu arbeiten. Freilich bildet das Internet eine 24/7 Konkurrenz für manche Handwerker.“

Bildunterschrift: Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm
Foto: Hofstätter

6. Dezember 2017